Kosmos Kopf


Modell der Psyche & Erkenntnisse aus Hirnforschung und ­experimenteller Psychologie
Das Gehirn ist ein Geflecht aus etwa 10.000.000.000 Neuronen mit teilweise 10.000 Verschaltungen. Dieses Geflecht agiert als ­Stimulator und Simulator, zudem können Neuronen durch externe Reize angeregt, d.h. zum Oszillieren gebracht werden. Diese Stimuli ­werden über Axone und Synapsen an die angekoppelten ›benachbarten‹ Neuronen weitergeleitet. Das ›globale‹ Aktionsmuster, das dabei entsteht, repräsentiert unsere Wahrnehmung. Ohne externe Stimuli ist das Gehirn in der Lage, zu simulieren; so etwa beim Träumen. Deprivationsexperimente belegen allerdings, dass eine vollständige Abkopplung von äußeren Reizen nur für kurze Zeit möglich ist, da sonst Nervenzellen Schaden nehmen können.

Die Wahrnehmung ist durch ein Wechselspiel von Stimulation und Simulation gekennzeichnet.


Klassisches, mechanistisches Modell
Paradigma der Physiologie


Autonomie des Bewusstseins

Der Mensch kann sehen, was er will, er kann abstra­hieren. Wahr­nehmen, Denken und Urteilen sind ein Bestätigen oder Zurückweisen von Hypothesen über die Welt. Kein Spiegel von Außenereignissen, ­sondern unsere Erwartungen, Einstellungen und Hypothesen zeigen uns die Welt. Ratio wird kulturell und individuell gebrochen durch ­Setzungen von Bedeu­tung. Wir erkennen real einen Baum, doch die Bewertung und die Bedeutung für uns sind offen.

Aufbau des Psychischen — Vier Domänen des Inhalts:
Wahrnehmungen | Erinnerungen | Handlungen | Gefühle
Hinzu kommt das ›Wie‹ des Denkens, eine Aktivation, d.h. ein räumlich koordinierter Fahrplan unterschiedlicher Gehirnbereiche
(neuronale Programme).
Jede Gehirn-Aktivität bildet ein Muster ab. Dies ist ein grundsätzlicher Wandel in der Bewertung, da es nicht mehr punktuell gesehen wird. So genannte Gehirnzustände oder Systemzustände. Also räumlich verteilte Arbeiten, die in einem bestimmten Ab­lauf sehr fein ineinander greifen. Hochkomplexe Muster der Aktivität: nur ganzheitliche Betrachtungen ergeben folglich Sinn. Das Repertoire der Koordination ist sehr fragil.

Aktuelles Modell

Die Periode von Systemzuständen kann sich schnellstens alle 30-40 ms, den sog. Zeitquanten, ändern. Es gibt also keinen kontinuierlichen Fluss von Zeit im Hirn. In Sprüngen, in Zeitstößen vergeht Zeit. Es gibt nur eine Gegenwart, die zur nächsten Gegenwart springt. Alles andere ist innere Projektion.

Wie entsteht Kontinuität?

Schon Augustinus kommt zu dem Schluss, dass es nur die Gegenwart gibt. Gestern und morgen gibt es nur im Jetzt.
Das Bewusstsein selbst existiert in zeitlosen Stößen von 2-3 Sekunden. Handlungen können nur 2-3 Sekunden überdacht wer­­den, dann erfolgt eine Neubewertung. Der Zeitraum von 2-3 Sekunden ist wie eine Klammer um die Gegenwart, die sich dann neu bildet. Also auch keine Kontinuität im herkömmlichen Sinne.
Wir finden daher diesen Zeitraum in anderen Zusammenhängen ­wieder, z.B. dem Ultra-Kurzzeit-Gedächnis oder der Sprachkoordination. Es gibt also Gegenwartsinseln, die retrospektiv orientiert sind


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