ZusammentreffenIV-V am 23.01.2003
Fotos des Zusammantreffen IV und V
»Trance ist die biologische Tür zur anderen Wirklichkeit«

Eine Einführung in die Methode
›Rituelle Körperhaltungen und Ekstatische Trance
nach Dr. Felicitas Goodman‹ von Nana Nauwald


Der Begriff der Trance bezeichnet einen veränderten Bewusstseinszustand, in dem Zeit und Raum im Unterschied zu unserem gewöhnlichen Bewusstseinszustand verändert wahrgenommen werden. Diese veränderte Wahrnehmung schließt auch die Veränderung der Sinneswahrnehmung ein.
Hinter allen Traditionen, auch der europäischen und buddhistischen, standen schamanische Wurzeln. Wir sind im Prozess nun bei Erfahrung und Praxis angekommen. In weiten Teilen der Welt sind Trancezustände
heute noch gesellschaftlich anerkannte Wege, um Körper, Seele und Geist in der Balance zu halten bzw. wieder in die Balance zu bringen. Die kulturell unterschiedlichen Erscheinungsformen der Trance finden sich seit den ersten Zeugnissen menschlicher Kultur auf allen Kontinenten unserer Erde.
So unterschiedlich wie die Kulturen, so unterschiedlich sind auch die Mittel, durch die eine Trance hervorgerufen werden kann: Tanz, Rituale, Atmen, psychoaktive Pflanzen, Mantren, Sufi-Sikrs, Fasten usw.
»Der Zustand der Trance ist eine im Menschen angelegte Erfahrungsmöglichkeit. Trance ist die biologische Tür zur anderen, heiligen Wirklichkeit. Das Körpererlebnis allein ist keine Bewusstseinserweiterung. Durch die rituelle Körperhaltung und die damit verbundene Absicht kann man mit allen Sinnen zum ekstatischen Erleben kommen. Ekstatisches Erleben ist das, was wir in der anderen Bewusstseinsdimension erfahren.« Dr. F. D. Goodman
Ekstatisches Erleben ist gekennzeichnet von einem angstfreien Hochgefühl, einem Gefühle der ›Süsse‹, das zugleich auch das Gefühl eines ›Geborgenseins‹, einer ›Weite‹ enthält und das Erkennen, mit allem zeit- und raumlos verbunden zu sein. Der Zustand der Ekstase angestrebt, um in diesem ›ver-rückten‹ Bewusstseinszustand mit den inneren Augen die Ursachen für Krankheiten, Störungen und Verwirrungen in der Gemeinschaft zu erkennen und in den ›anderen Welten‹ Wissen und Mittel zur Behebung dieser Störungen sehenzu können. Trance ist kein veränderter Bewusstseinszustand, sondern der Kontakt zur ›wahren‹ Wirklichkeit.
›Trance‹ bedeutet im Arabischen ›wajd‹, ›finden‹. In einer willentlich herbeigeführten Trance geht es um dieses ›Finden‹ der Teile, die uns zum Zustand der Ganzheit, zum Zustand des Heilseins fehlen. Die Trancezustände, welche die Anthropologin Dr. Felicitas D. Goodman untersucht hat, beruhen auf ihrer Erforschung von Körperhaltungen, die in Verbindung mit einem gleichmäßigen Rassel- oder Trommelrhythmus (ca. 210 Schläge in der Minute) in Trance versetzen. Die rhythmische Anregung verbunden mit einer rituellen Körperhaltung bewirkt eineBewusstseinsveränderung, die in thematisch unterschiedliche ›Räume‹ der ›anderen Wirklichkeit‹ führt.
Dr. Goodman und ihre MitarbeiterInnen haben über 70 Haltungen in ihrer Wirkung erforscht. Die Körperhaltungen wurden als Höhlenzeichnungen oder Statuen gefunden. Das Erlebnis der Körperhaltungen in Verbindung mit der rhythmischen Anregung kann zu intensiven Körpergefühlen führen, zu Visionen, bei denen alle Sinne beteiligt sind, zum ekstatischen Erlebnis. Die Körperhaltungen selbst stellen keinen ›Glauben‹ dar, beinhalten kein Dogma, sie sind eingebunden in das schamanistische Weltbild. Trance ist ein dem Menschen angeborener, natürlicher Zustand, rund 80% aller heutigen Zivilisationen kennen Formen der Trance.
Bei wissenschaftlichen Untersuchungen der rituellen Körperhaltungen nach Dr. Felicitas Goodman wurde festgestellt, dass die Neurotransmitter, die bei Stress auftreten, wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol abnahmen, das Gehirn aber gleichzeitig Beta-Endorphine, die körpereigenen Opiate, freisetzt. Die Endorphine wirken schmerzstillend, sind aber auch für das Gefühl intensiver Freude und Euphorie verantwortlich. In den begleitenden EEG-Messungen erschienen Thetawellen (4-7 Hz) und der Puls zeigte eine starke Erhöhung bei gleichzeitigem Fallen des Blutdrucks. Neuere Forschungen zeigen mit ersten Ergebnissen, dass besonders die bildhafte rechte Gehirnhälfte aktiviert wird.
Die schamanischen Trancetechniken ermöglichen eine willentliche Verschiebung der Wahrnehmungsfilter, so dass wir uns immer wieder neu öffnen können für die Vielzahl von Welten, mit denen wir in unserem Alltagsbewusstsein nur vage Berührung haben. Diese Techniken können Pforten öffnen.


Literaturhinweise:
Nana Nauwald: Bärenkraft und Jaguarmedizin — die bewusstseinsöffnenden Techniken der Schamanen
(AT-Verlag ISBN 3-85502-778-1)
Felicitas Goodman, Nana Nauwald: Ekstatische Trance — Das Arbeitsbuch
(Verlag Binkey Kok ISBN 90-74597-50-5)
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- 2:55 PM / 2:55 PM
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