Zusammentreffen VI

Fotos des Zusammantreffen VI

Vortrag des Projektes vor dem World Congress 2003 der ›International Assoziation of Educators for World Peace‹, einem beständigen Organ der Vereinten Nationen NGO, den Non-Government-Organisations
(ECOSOC|UNDPI|UNESCO|UNICEF|UNCED).

Von Martin Schöne, etwas kürzer in englisch gehalten:

»Das Bild ist die Wahrnehmung, die es wiederholt, seiner Natur nach halluzinatorisch. Die Halluzination ist, so abnorm sie zu sein scheint, die Essenz unseres geistigen Lebens.«
Lehrsatz von Hippolyte Taine
… und wir halluzinieren den Krieg
und verdrängen unsere Gewalt.

Der eingetretene Wechsel unseres Bildes von Realität und Bewusstsein
zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ausgehend von Max Planck, Sigmund Freud und Marcel Duchamp ist gesellschaftlich, kulturell und sozial weitgehend unverwirklicht, und lediglich zersplittert ins Private gedrängt. Dies ist nicht unproblematisch, da der Wechsel im Verständnis der Wirklichkeit fundamental wirkt und daher gesellschaftliche Aufarbeitung erfordert. Es ändernsich dabei grundsätzlich unser Bild von der Welt, unser Blick auf die Dinge. Es ist mehr als nur eine ›Neue Renaissance‹, wie der Spiegel titelte.

Die Hochschule für Bildende Künste bietet einen wunderbar freien Rahmen für eine Internet-Plattform von Realitätswahrnehmung und Darstellung von Wissenschaft, Kunst, Spiritualität und Körperpraktiken [1] . Wir wollen den Möglichkeiten der Selbstorganisation einen permanenten Raum geben. Ich bin der Überzeugung, dass in der Zusammenschau aus einer Perspektive der Ausgangspunkt jedes Friedens ruht.
Unsere Annäherung an Materie und Geist bzw. Realität und Bewusstsein war ein ausufernder freier Prozess mit allen Natur- und Geisteswissenschaften. Die Grenzen der Forschung verschwandenbei jeder Annäherung, auch zur Kunst und den Erkenntnissen der westlichen und östlichen Spiritualität sowie den vielfältigen Möglichkeiten von körperlichen Erfahrungen bis hin zu den Wurzeln aller Kultur, den Ritualen.

Unser Ausgangspunkt war folgender: Gibt es tatsächlich ein völlig andersartiges, gültiges Paradigma, nennen wir es quantisches Weltbild, welches permanent Materie, Leben und wohl auch Geist prägt? Alle anderen Wirklichkeiten wären dann überwiegend persönlich und kulturell gefärbte Realitäten und speisen sich aus diesem Fundamental- Phänomen. Zudem haben wir dieses Weltbild auf praktische Relevanz und Anwendbarkeit untersucht, auch im Hinblick auf gesellschaftliche und psycho-soziale Folgen.

Ich bin dankbar, dass ich in diesem Rahmen der ›InternationalAssociation of Educators for World Peace‹ vortragen kann. Wir sind der Überzeugung, dass Frieden, ob mit einem selbst, mit anderen oder der Umwelt, im Geist beginnt. Der Geist der quantischen Phänomene sind die Grundsätze des Friedens, eines friedlichen Denkens.
Wie ich mit diesem Vortrag anreißen will, durchlaufen wir seit 100 Jahren einen historischen Wendepunkt im Geist, an dem uns eine, inzwischen eigentlich unübersehbare, Orientierung erwächst.In unserem Meer von relativer Information, existiert eine sichere Insel. [2]
Charles Mercieca (President der IAEWP) zitiert hierzu Lama Gangchen: »Wenn es um Philosophie geht, stellen wir immer vier Fragen: 1. Was ist real? 2. Was ist wahr? 3. Was ist gut? Und 4. Was ist schön? Nun gibt es keine zwei Personen, die darauf dieselben Antworten geben.« Das ist das Problem.

Doch ich würde sagen, was Materie, Leben und auch Geist angeht, gibt es eine überpersönliche Wirklichkeit, ein Dogma, eine Wahrheit, die das Funktionsprinzip der Wirklichkeit selbst beschreibt. Dies hat aber heutzutage mehr oder minder wenig mit der persönlichen Realität zu tun, … und genau da liegen die wahren Potentiale, die zu entdeckenden Schätze der Menschheit. Es ist Zeit, dies für sich und andere, besonders unseren Kindern von klein auf geistig zu erschließen, was es heißt, dass der Mensch sich der Wirklichkeit nähert durch seinen Geist. [3]

Heute ist es bei vielen Entscheidern immer noch eine mehr oder minder verdrängte Tatsache, dass es ein Paradigma der Wirklichkeit gibt, etwas, was mit Abstand am besten ›funktioniert‹, das das Leben beherrscht. Der Transistor, Computer, Handys, alle beruhen auf Berechnungen der Quantenphysik: 28% der Wirtschaftskraft der USA werden durch technische Umsetzungen der Quantenmechanik erzielt, dieser ganz anderen Art von Mechanik — mit stark zunehmender Tendenz, da viele sog. Zukunftstechnologien darauf aufbauen. Der weltweite Siegeszug des Internets, als technischer Adept, ist wohl das bekannteste Beispiel. Diese ökonomisch-technischen Anwendungen sind jedoch erst die Vorboten. Nach der quantischen Umformung der Forschung und der Technologien werden nun Gesellschaft und Kultur zunehmend erfasst. Kommen wir zu den bekannten quantischen Phänomenen, die auf einer Tagung mit Wissenschaftlern als Grundlage diente, die an unserer Hochschule durchgeführt wurde.

Die Phänomene:

Superposition
Selbstorganisation
Synchronizität
Information als Basis von Materie
Non-Lokalität von Information

Die Phänomene sind schlicht — schlicht uferlos und jedes Phänomen Grundlage vom friedlichen Denken, eines Geistes in Frieden, auch mit sich, der zwingend Krieg in seiner vollen Absurdität ächtet, was ich nun begründen will.

Quanten sind die kleinstmögliche Entität, sind nichts (die Leere) und alles, da sie Materie, Energie und Licht (Photonen) bilden. Quanten sind jedoch vor allem Möglichkeiten, Symbol für das fundamentale Funktionsprinzip der verschiedenen Realitätsebenen. Ein Begriff, der die Phänomene der veränderten Realitätsbetrachtung zusammenfassen soll. Das quantische Paradigma ist eine Vielheit, doch keineswegs ist relativ oder gar unbestimmt damit gemeint. Nein, im Gegenteil, die Phänomene geben klare, deutliche und universelle Antworten über die Wirklichkeiten von Materie, die in erster Linie geistig ist. Die quantischen Phänomene addieren sich nach Karl Pribrams Additionsverfahren ins Makroskopische, ins Sichtbare hinein und finden sich auch im Leben, den Biophotonen wieder.
Phantastisch direkt, wie auch nicht-wissenschaftliche Beobachtungen und Konzepte damit in Einklang stehen. Das quantische Weltbild erlaubt es uns zudem, diese ganzen Beobachtungen im Zusammenhang zu sehen, ungetrennt, und bietet sich daher als Fixstern für jede interdisziplinäre Arbeit an.

Das erste Phänomen, Superposition, ist auch als Messproblem bekannt. Es besagt:
Der vollständige Zustand jedes Systems beruht auf seinen Eigenschaften und (!) einer Vielzahl von Möglichkeiten. I.d.R. auch sein entgegengesetzter Alternativ-Zustand und entsprechend alle Mischformen (Riemannsche Zahlenkugel). Welche Möglichkeit sich nun realisiert, hängt vom Messgerät und der Betrachtung des Experimentators ab. Auf diese Weise ist die quantische Ebene, eine genauestens berechenbare Anzahl von bestimmten Alternativen, mit der materiellen Ebene der Realität verknüpft. [4]

Daraus folgt eine Verbundenheit der Gegensätze, die Auflösung des Dualismus, der grundsätzlichen Trennung von Innen|Außen, Körper|Geist, Objektiv|Subjektiv, Opfer|Täter etc. … [5] Die unmittelbare Verbundenheit wiederum macht kriegerische Konzepte völlig absurd.
Der Dualismus von Konstruktivismus und Realismus geht spätestens seit Jaques Derrida, wie der Dualismus überhaupt, in ein Oszillieren über, ein quantischer Dualismus. Die tiefste Wahrheit eines Begriffes findet sich nun in seinem Gegenpol, er wird hierdurch komplex wie das Leben. [6] Nicht zufällig findet sich die Ausnahme dabei in den Begriffen Krieg und Frieden. Frieden als die treffendste Zusammenfassung der Phänomene, wie sich zeigen wird. Und Krieg ist das vom Menschen entworfene Gegenmodell zu dieser Wirklichkeit, also eine negative, vollständig dysfunktionale Schöpfung, und wir haben unsere Systeme danach ausgerichtet. Ich meine Krieg, nicht Gewalt und Konflikte, die zur Wirklichkeit gehören. Krieg ist unser schöpferischer Gegenentwurf zur Wirklichkeit, die sich durch die Phänomene als Ausdruck des Friedens kennzeichnen. Krieg ist eine rein menschlicherzeugte, ›kulturelle‹ Projektion (welch Kultur!), mit der wir die Un-Wirklichkeit besetzen. Und so ist der quantische Dualismus auch ungebrochen und wahr: Innerhalb der Wirklichkeit ist das Begriffspaar Krieg|Frieden die Ausnahme von der Regel, dass sich die tiefste Wahrheit in seinem Gegenbegriff finden soll — jedocheine zwingende Ausnahme, da er für den, logischerweiseexistierenden, übergeordneten Dualismus von Wirklichkeit|Unwirklichkeit heutzutage (nicht zwingend!) Synonym ist — trauriges Symbol für einen kulturellen Zustand. Und dann stimmt es sehr wohl: unsere Wirklichkeit oszilliert mit der Unwirklichkeit. Doch steht es uns frei, wie wir diese Unwirklichkeit besetzen, mit welchen Modellen unseres Schöpferhirns. Es ist eigentlich ein freier Space, der für das steht, was wir denken könnten — und dieser oszilliert dann zwangsläufig mit der Wirklichkeit. Lange Rede kurzer Sinn.

Krieg ist nicht zwangsläufig, keine Natur, sondern das von uns ersonnene Modell (war ja auch erst bahnbrechend, doch ist zu uneffizient, unfunktional, überholt. Der Trugschluss der Moderne!). Und heute ist eine Evolution des Geistes möglicher als je zuvor, und im Gange … und wie sich zeigen wird, zu Sprüngen immer bereit.

(Einschub Begriffswirrwarr: Den Paradigmenwechsel könnte man auch so beschreiben, dass das, was wir unter Unwirklichkeit verstanden|verstehen, längst zur Wirklichkeit zählt, z.B. das Unbewusste als eigentliche Wirklichkeit und das Bewusstsein nur ein Ausnahmezustand (Ekstase?), eigentlich ein Nachplappern der unbewussten Vorgaben. Nachdem dieses Missverständnis geklärt ist, öffnet sich der Blick, um die wahre Unwirklichkeit als einen (durch Krieg besetzten) Freiraum zu erkennen, dem lediglich ein tragfähiges Gegenmodell, ein magischer Attraktor angeboten werden muss (dynamische Iteration: energiearm, konzentriert, beständig) Eine Plattform, ein Ausgangspunkt, ein Versuch. Ein optisches Ereignis, eine individuelle Erfahrung.)

Es ist schizophren, sich nicht als Einheit zu begreifen, die wir unzweifelhaft sind. Es folgt vieles aus diesem sogenannten psycho-physischen Problem. Wir nehmen uns nicht an (nur vermittelt durch Kampf, Arbeit, heute wohl Aufmerksamkeit) und somit auch keinen anderen, erzeugen Hass aus Ängsten vor dem Anderen, auch in uns, und exportieren diesen Körperhass in die Welt. Dies ist der Zusammenhang, der uns zur viel beschriebenen Zielscheibe einer Manipulation unserer Bedürfnisse werden lässt. Gerade daher ist die Anbindung aller nachvollziehbar erfahrbaren, körperlichen Praktiken eine wichtige Basis für die Verbindung der überwiegend intellektuellen Zugänge über Wissenschaft und Kunst.
Die alles durchdringende quantische Wirklichkeit ist gänzlich anders organisiert als unser Kulturmodell. Hier definieren sich alle Dinge durch ihre Beziehungen zueinander, stehen im Zusammenhang und sind demnach veränderlich. Es bedeutet die Entwicklung vom festgeschriebenen Sein zum ewigen Werden aller Dinge. [7] Unsere Festschreibungen im Kopf dagegen versuchen die Dinge festzurücken.
In Wirklichkeit (quantisches Weltbild) bestimmen stattdessen sich verändernde Verhältnisse von Information, mit denen wir in Wechselwirkung stehen. Diese Verhältnisse operieren jenseits von Raum, Zeit und Materie — schaffen die Grundlage hierfür.

Doch gehen wir weiter und schauen uns ein Atom an, wo ein anderes Phänomen auftritt und unsere Vorstellung von Materie revidiert. Das starre Atommodell von Bohr als auch Rutherford hat nichts mit dem rasenden Sturm der Elementarteilchen zu tun, die in unglaublicher zielgerichteter Abstimmung ein Atom bilden. Wer weiß denn schon, dass die Beständigkeit auch nur eines Atoms statistisch eigentlich unmöglich ist, permanent von zielgerichteten Zufallsballungen, sog. Synchronizität, abhängig ist? Ein Prozess der permanenten Schöpfung in jeder Zehntelsekunde, eine Selbstorganisation von so überragender Weisheit, als wenn jedes Elementarteilchen permanent perfekt über jedes andere informiert ist, sich seiner Situation und Funktion bewusst wäre.

Dieses fundamentale Konzept der maximalen Abstimmung untereinander ist das Fundament jedes friedlichen Weges. Das, was hinter den quantischen Phänomenen steht, ist eine Garantie für die Abwesenheit von Krieg (nicht Kampf oder Mord). [8]
Prof. Thomas Görnitz spricht davon, dass auf einer tiefen Verständnisebene Materie und Information äquivalent sind und baut auf C.F von Weizsäckers Vorschlag einer Quantentheorie der Ur-Alternativen auf. Daher ist ein Gedanke so real wie ein Atom. Materie ist nur so fest und dauerhaft wie ihre Informationsmatrix, ist also im Grunde immateriell.

Beim Menschen ist Information jedoch immer mit einer Bewertung, einer Bedeutung verknüpft — genetisch, kulturell, durch individuelle Erfahrung und Bezugspersonen. Wir sollten erkennen, dass diese Zuweisungen jedoch durch uns veränderlich sind. Letztlich wirkt eine neue Bedeutungszuweisung bis in die Materie und das Leben um uns; sie ist unsere Möglichkeit zur Einflussnahme auf Selbstorganisation und Synchronizität. Das Potential, das dieser Zusammenhang uns erschließt, ist unsere wahrhaftige und friedliche Basis.

Sehr spannend dabei erscheint mir, dass die Motivation, diesem Weg zu folgen, auch aus ökonomischen und individuellen Gründen nahe liegt. Es ist nämlich so, dass Selbstorganisationund Synchronizität, diese maximale Abstimmung, etwas leisten, was kein mechanistisches System auch nur annähernd vermag: Perfekte Funktion, ein freier Verlauf bei hochgradigen Synergien. Der Physiker Wolfgang Pauli nannte es das Prinzip des geringsten Aufwandes. Die Effizienzsteigerung zu herkömmlichen Organisationsstrukturen ist in der Technik, so die Erfahrung im Verhältnis 1 zu 1000. Jede Entfernung von diesem Funktionsprinzip der Wirklichkeit geht auf Kosten der Funktionalität. Es besteht also ein enger Zusammenhang einer friedlichen Wirklichkeit und der Funktionalität, der Ökonomie. Ein Zusammenhang, der Hoffnung macht. Wenn Frieden profitabler als Krieg ist, wird die Utopie Frieden wahr. Das Internet [9] ist ein gutes und noch seltenes Beispiel dafür, dass wenn etwas 100% funktionieren soll, es sich möglichst quantisch organisieren sollte. Je näher daran, desto stärker wirkt das übergeordnete Wirklichkeitskonzept von Selbstorganisation und Synchronizität, das Zusammenfallen vieler zielgerichteter Zufälle, also den sog. ›glücklichen Umstände‹. Ohne diese würden Materie und Leben sofort zerfallen.

Der Gedanke der Synchronizität, schon von C.G. Jung wie Pauli interdisziplinär entworfen, stellt sich zudem nun zunehmend als zentrales Element erweiterter menschlicher Kommunikation heraus. In eigenen Messungen untersuchen wir mit Unterstützung des Städtischen Klinikums die Gehirnaktivität in Hinblick auf die (Wechsel-)Wirkung einer geistigen Haltung mit anderen Personen. Synchronisation des eigenen Gehirns, als auch mit einem anderen. [10] Und ob dies auch vermittelt möglich ist, z.B. durch Medien. [11]

Synchronisation findet statt, wenn unsere verschiedenen Gehirnbereiche auf einer Frequenz Information verarbeiten oder erzeugen. D.h., Gefühl, Logik, Erfahrung, archaisches Wissen und intuitiver Zugang sind dann im bestem Austausch miteinander. Ein Zustand hohen Bewusstseins bei hoher Intuition.

Zudem scheint es so zu sein, dass
a) der Mensch erwachsen werden kann, ohne diesen Einheitszustand zu verlieren und
b) die Fähigkeiten des Erwachsenen dadurch deutlich an Qualität gewinnen. Weisheit scheint weniger mit Wissen oder Intellektualität zu tun zu haben, sondern folgt vielmehr dem Grundzustand des Gehirns, einem Einheitsgefühl aus dem Verständnis der Zusammenhänge.

Durch gezielte Hilfestellungen, Ausbildung und Kultivierung kann das Kind schon von klein auf in Interaktion mit seinem Inneren treten und sich synchronisieren. Zudem kann nur wenigeseinen so von seinen Fesseln, seinen Ängsten befreien wie ein Einheitsgefühl. [12]

Das Phänomen Selbstorganisation hängt eng mit dem Begriff Chaos zusammen, der sich wiederum als historischer Ausgangspunkt eines trennenden Dualismus entpuppt hat, eines Weltbildes ohne echte Zusammenhänge. Beides hängt mit dem Begriff Chaos zusammen, der sich wissenschaftlich heute wie folgt darstellt: Jede Ordnung ist Teil einer höheren Ordnung, des Chaos‘. Chaos ist das Grundprinzip, welches im Atom und allen höheren Ordnungen bis zu Gesellschaften und dem Kosmos wirkt.

Im wohl fehlinterpretierten [13] griechischen Schöpfungsmythosist dies identisch mit dem unermesslichen Weltenraum am Anfang der Welt, dem ungeordneten Urzustand der Welt, also aller Materie (den Quanten) — zu dem dann der reine, ordnende Geist, der Aether tritt — das Prinzip hinter den Quanten, die Phänomene der Wirklichkeit.

Geist und Materie.
Leicht sieht man diese als Gegenpole, wie auch Chaos und der geordnete Kosmos zwei sich gegenüberstehende Prinzipien darstellen könnten. Chaos und Kosmos sind jedoch materiell dasselbe, also immer gleichsam verwirklicht; das entscheidende ist der immaterielle ordnende Geist dahinter (Quantenvakuum) und äußert sich durch die Phänomene. Nichts Neues, dass der Geist entscheidet, doch scheint es schwer, einen neuen zu ersinnen, wahrhaft anzunehmen. Wir betrachten Chaos getrennt von der Ordnung, entgegenstehend, daher hat sich unsere Kultur leider auf die Idee der reinen Ordnung als Idealzustand ausgerichtet. Für mich begründen sich die selbstzerstörerischen Elemente unserer Kultur auch aus diesem Umstand. Dieses Ziel, die reine Ordnung, kommt im chaotischen Prozess einem Kollaps gleich — und findet sich im Leben nur im Tode.

Der Begriff ›Ideal‹ ist Produkt eines trennenden Dualismus, von dem unsere Kultur heute selbstverständlich ausgeht und die eher die Maschine zum Götzen hat als den Menschen und alle natürlichen Systeme. Die mechanistische Weltsicht reduziert auch den Menschen zu einer energiefressenden Maschine, dessen Motor das Herz ist und dessen Geist nur Beobachter einer feststehenden Welt. Im Leben jedoch, einem dynamischen Prozess, bilden Ursache und Wirkung eine strukturelle Einheit, sie stehen in Wechselwirkung und es entsteht Selbstorganisation, Komplexität. Die viel zitierte Kreativität der Natur.

Selbstorganisation entsteht, wenn Chaos auf Synchronizität trifft, also erstaunlich viele, erstaunlich gut aufeinander abgestimmte Zufälle eine perfekte Abstimmung erzielen — und gilt als das Chaos von Natur und Leben. Selbstorganisation folgt zum Teil bestimmten harmonikalen Strukturen (Fibonacci). Jedes System unseres Weltbildes benötigt auf der anderen Seite eine feste Ordnung, um sich zu legitimieren. Unser altes Weltbild leitet sich noch aus unserem Verständnis der barbarischen Prinzipien der biologischen Evolution ab. Quasi das Kulturmodell aus den inzwischen überholten darwinistischen Vorstellungeneiner zufälligen Evolution und dem Recht des Stärkeren. Dies bedeutet zum einen eine 100%ige Tat-Orientierung, sprich, wir müssen uns in diesem Denksystem jede Verbundenheit, jedeBeziehung, erkämpfen, sind getrennt und müssen uns dieseverdienen. Die naturgegebene Verbundenheit und der damit einhergehende geistige Akt bleiben uns bei dieser Betrachtung verschlossen. Vielmehr konditionieren wir so unsere Ängste vor Einsamkeit und haben eine Kultur geschaffen, die Angst-zu-verlieren als Ausgangspunkt hat.

Ein Neubeginn ist in unserem kulturellen Verlauf kaum zu erkennen. Das kulturgeschichtlich gesetzte Verständnis von Ordnung wurde niemals grundsätzlich verändert und schreibt sich nicht nur in der gesellschaftlichen Ordnung fest, sondern vor allem in uns. Die Sprache, Bilder und Mythen unserer Kultur werden aus unserer Weltsicht getrennt gesehen, gefühlt, gedacht. [14] Kommen wir abschließend zur Non-Lokalität, die raum- und zeitlose Verbindung zweier Quanten, so genannte korrelierte Photonen, die eine Informationseinheit bilden, raumunabhängig. Als Biophotonen erfüllen diese auch unseren Körper und leisten dort gute Dienste in der Kommunikation zwischen den Zellen. Die einzelne Zelle erzeugt zudem selbst Hologramme [15] , also eine als Feld ausgebreitete Gesamt-Information (Non-Lokalität von Information), was einen Quantensprung für das System bedeutet — an Möglichkeiten, Komplexität und Effizienz, da somit jede Information permanent jedes Teil des Systems erreicht. Totale Kommunikation ist nicht nur möglich, sondern Grundlage von Materie und Leben. Unsere Kommunikation [16] könnte eine rasante Evolution durchlaufen, die sich diesen Synergien [17] öffnet.

Abschließend will ich noch auf einen zentralen Begriff der Friedensforschung eingehen: Hoffnung. Hoffnung ist nicht unkritisch zu sehen, da sie ein gedankliches Konstrukt des alten Weltbildes, als Einbahnstraße gedacht ist. Die passive Hoffnung auf Zuwendung wird durch die aktive (schöpferische) Zuwendung eingelöst. Sich den Dingen zuwenden, heißt, ihnen Bedeutung (komplexe Information) zuzuweisen. Die feststehende Welt, auf die man kein Einfluss hat, wandelt sich in eine veränderliche, mit der der Mensch in Verbindung steht und die er durch Zuwendung beeinflusst. Zuwendung meint auch Räume öffnen: Entdeckungen, Erfindungen, Ideen, auch Transferleistungen von Kultur und Kunst. Zuwendung heisst auch spielen können, absichtsfrei, unmittelbar sein, eine ganz besondere Form der Aufmerksamkeit, als höhere Hirnfunktion, die in den Prozess der Selbstorganisation eingreift.

Der Mensch kann Bedeutung erzeugen und zuweisen und so bewusst mit der Wirklichkeit interferieren. Sich zuwenden bedeutet, mit einem Ziel, aber nicht-linear aus den quantischen Möglichkeiten eine Realität zu schöpfen. Und dann werden die Gesetze des Überlebens unserer Kultur zu den Prozessen des Lebens.

Resümee
Die quantischen Organisations-Prinzipien, welche die Phänomene von Realität und Bewusstsein durchziehen, dominierten die Durchbrüche von Kunst und Wissenschaft und vereinen dabei im 20. Jahrhundert mühelos Philosophie, Psychologie, Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Linguistik und die Ansätze der Kultur- und Medientheorie (aktuell Iconic Turn) and last not least die Medizin [18] , insbesondere die Neurobiologie, die dazu bestimmt ist, das Bild zu vollenden.

Gedanken sind nichts Materielles, Gedanken sind reine Information, die Grundlage und Basis von Materie. Daher: Ein Tisch ist Materie, aber es gibt auch Materie, die nicht wie ein Tisch ist. Und heikler: Eine Seele hat Information, aber nicht jede Information hat Seele. Unsere tiefste Information ist sehr schützenswert und heutzutage großer Mengen seelenloser Information ausgesetzt. Die perfideste Art sind dabei sicherlich die Computerspiele, die heutzutage weltweit deutlich mehr Umsätze erzielen als die Filmindustrie, die nur ein wenig besseres Bild abgibt. Die vom Militär entwickelten sog. EGO-Shooter dominieren diese Spiele, die nichts mit spielen gemein haben. Einer der ersten Produkte für die US Marines, Quake, sollte jegliche Tötungshemmung und Mitgefühl abtrainieren und leistete nachweislich hervorragende Dienste. Viel viel besser als alles, was sie vorher ausprobiert haben, und das war vieles. Besonders erfolgreich bei den üblichen Konsumgewohnheiten betäuben wir nachhaltig die neurobiologischen Areale, die für Menschlichkeit zuständig sind. Der Forscher, der diese Messungen beim Militär vornahm, meinte abschließend, ich zitiere: Wenn wir unsere Kinder zu seelenlosen Killern machen wollten, wir könnten es nicht besser tun, als wir es schon tun!

Die Problematik ist natürlich komplex, doch wie kann ein Programm zum Abtrainieren von Mitgefühl, zum nachhaltigen Betäuben der dafür bestimmten Gehirnareale [19] sich Spiel nennen dürfen? Ich meine dies weitgehend. Unser Recht auf freie Meinungsäußerung kann sich nur von einem freien Ich, einem Freiraum ausgehend, verwirklichen. Zu ihm gehört folglich auch das Gegenstück dieses quantischen Dualismus: das Recht auf vertrauenswürdige Information, ein Recht auf Wirklichkeit, welches in unserer zunehmend virtuellen Gesellschaft immer größere Bedeutung gewinnt. Auch in diesem Zusammenhang wird der Wert einer überindividuellen Orientierung deutlich.

Besonders verwirrend sind dabei die konträren Bedeutungszuweisungen, die verkehrte Semantik, die eine Orientierung zunehmend unmöglich machen — gerade für Kinder, die besonders Orientierung suchen, gerade in einer Zeit, wo traditionelle Orientierungen wie Familie, Nation, Religion, Geschlecht etc. durch das 20. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung verloren haben und Medien viel Freiraum davon eingenommen hat. Wir müssen stärker verstehen, dass Information für unsere innere und äußere Welt von elementarer Bedeutung ist.
Gehört nicht auch und gerade unser Geist in den Rahmen der Menschenrechte, seinem Streben nach Wahrheit, tieferem Verständnis. Diese Freiheit zu haben, ist die eigentliche Freiheit, so meine ich, und steht in einem untrennbaren Zusammenhang zur Friedensforschung. Wenn Materie und Information äquivalent sind, kann physische Realität aus geistiger Realität erwachsen. Daher wartet unsere Kultur auf neue Rituale, die aus der Zusammenführung der quantischen Elemente von Wissenschaft, Kunst, Spiritualität und Körperarbeit entstehen werden. Dieser Prognose wollen wir mit unserem Projekt Nachdruck verleihen und hoffen auch, dass unsere Internet-Plattform dann ihren Beitrag bei diesem ganz besonderen Zusammentreffen leisten kann.

[1] BBC exclusiv: Aus ›Torturen des Glaubens‹ (7.4.03, VOX) (Glauben entscheidet über das Sehen) Dr. Arthur Kleinmann, Harvard & David Spiegel, Stanford University: Thema Schmerz: »Medikamente sind soweit ganz gut, doch gibt es nichts anderes? Die Antwort ist: Das es ganz einfache Techniken gibt, die ein viel besseres Risiko-Nutzen-Profil haben als die meisten Medikamente. Wir würden gut daran tun, diesen Teil des Geist|Körper zu nutzen. Wir wären gut beraten, dieses Verhältnis viel energischer zu erforschen.« (Auch Ideokinese-Vorstellung stellt ein bestimmtes Potential zur Verfügung.)
[2] Nebenbemerkung: … und auf dieser können wir landen, unser wackliges Floß verlassen, und uns aufrichten zu voller Größe, uns erheben aus dem unruhigen Nebel der ständigen Gischt, um so eine klare Orientierung zu gewinnen.
[3] Es ist nicht neu: Das Unsichtbare gilt wenig in einer oberflächlichen Welt. Doch wir entdecken schon seit 100 Jahren darin zunehmend das wahre Funktionsprinzip von Materie und Leben. Und im Unsichtbaren findet sich wahrlich auch für uns das meiste, z.B. unser Geist und unsere Gefühle.
[4] Also kann Materie nicht ohne Antimaterie vorkommen und Zeit nicht ohne Anti-Zeit, also ein Zurückgehen in der Zeit ist möglich. Die Wirkung kann vor der Ursache eintreten. Beides ist schon vor 70 Jahren bewiesen worden und konnte dann auch beobachtet werden.
[5] Dies trifft auch auf real und abstrakt zu, da im neuen Weltbild Wirklichkeit dadurch definiert ist, dass es um real und abstrakt oszilliert.
[6] Nam June Paik: »Ich habe nicht nur das zu behandelnde Material von 20 Khz zu 4 Mhz erweitert, sondern ich habe eher die physikalische Eigenschaft des Elektron benutzt (Indeterminismus), Doppelcharakter von Korpuskel (Teilchen) und Wellen (Zustand). Die kleinste Einheit, die menschlicher Verstand gegenwärtig denken und nachwiesen kann, ist eine schöne Ohrfeige für den klassischen Dualismus in der Philosophie seit Platon … Wesen UND Erscheinung, essentia UND existentia. Beim Elektron jedoch … EXISTENTIA IST ESSENZIA.«
[7] Nach Meinung des Medienkünstlers und -theoretikers Peter Weibel dominiert in unserer Kultur eine Ästhetik des Statischen und des Objektes. Die zunehmend wichtiger werdende Ästhetik der Bewegung und der Zeit werde dagegen an den Rand gedrängt oder verbannt.
[8] Quantenphysiker nennen diese, die Materie beherrschende Information: Informations- Atome oder kosmische Information. Die kosmische Information ist Träger von Information über Information. Ausschnitte davon bilden somit auch beim Menschen die Matrix, die Grundlage aller individuellen Information. Dennoch gilt uns dieses Meer von potentieller wahrhaftiger Information in der Lebenswelt wenig, obwohl sich alles um uns danach orientiert, ›nach deren Sound alles tanzt‹.
[9] Ein allgemein gültiges Funktionsprinzip, welches sich in allen Realitäten verwirklicht, also auch im Kapitalismus. Das Internet ist ein technischer Adept der Phänomene und ist daher allen anderen Organisationsformen unerhört überlegen, einzig und allein, da dieses Medium nah an dieses Funktionsprinzip der Wirklichkeit ranprogrammiert wurde. Das www wurde erst vor 10 Jahren im Cern entwickelt, sein Zug um die Welt ist legendär. Kein Zufall, dass es nach völlig fremdartigen, liebenswert-anarchistischen Strukturen funktioniert. Es ist ebenso kein Zufall, dass es außerhalb der Macht des Systems liegt — keiner kann es abschalten oder abschaffen, keiner kann es effektiv kontrollieren. Ein System ohne Oben|Unten, zudem als Netz völlig nicht-kommerziell, direkt kommunistisch anmutend, doch setzt es sich — einfach so — unglaublich erfolgreich durch. Ein anderes Netz wird es nicht geben, da es ein mit nichts zu vergleichendes Kosten|Nutzen-Verhältnis aufweist.
[10] Synchronisation findet sich in allen Aktivitäts-Zuständen des Gehirns (Beta bis Delta), also auch in besonders starken Wachzuständen. S. kann sich aus sich heraus erzeugen, kann von anderen Menschen erzeugt werden, und dies auch medial, z.B. durch Musik. Es können sich Zentren, Gehirnhälften als auch das gesamte Gehirn synchronisieren. Besonders kontinuierlich im Meditations-Zustand (4 - 6 Hz). In diesem Zustand befinden sich kleine Kinder fast permanent, erst ab dem 4 - 5 Jahr steigt die Frequenz zunehmend auf 11 Hz, wie beim Erwachsenen. Nicht jedoch bei Lama Doboom Tulku bei unserer Messung am 12.12.2002: 4 - 5 Schwingungen pro Sekunde (Hz) bei hoher Synchronisation.
[11] Ich glaube eine synästhetische Form der visuellen Umsetzung von Gehirnströmen und somit auch Synchronisation gefunden zu haben. Also eine unmittelbare Übersetzung, die auch die Möglichkeit einer intuitiven Rückübersetzung in sich trägt. Ist fast zu schön. Für Fachleute: Wir versuchen, ein nicht-lineares Maß für Synchronisation auf EEG-Daten anzuwenden, um eine besondere Form von koordinierter Oszillation, die sogenannte Phasen-Synchronisation, auch bei nicht-linearer Kohärenz sichtbar zu machen.
[12] In meinem Kulturkreis hat die christliche Mystik dies durch Meister Eckhart (1260 - 1329) besonders eindrucksvoll beschrieben, der die verzehrende Gottesliebe der Mystik mit dem Verstand kreuzte und so ›die Geburt von Gott in der Seele‹ anstrebte — und sei es nur in Momenten. Es gibt natürlich verschiedene Wege zum Ziel. Die Welt loszulassen, um sich dieser in Liebe zuwenden zu können, da sich darin Gott findet, oder sich von der Welt abzutrennen, wie in vielen Traditionen des Mönchtums, oder die radikale Selbstliebe (nicht Selbstverliebtheit), nachdem man sich erschlossen und angenommen hat, als Grundlage eines friedlichen Umganges miteinander.
[13] Diese ›Fehlinterpretation‹ ist mehr die Folge des Grundprinzips der meisten bisherigen Ordnungen: divide and rule.
[14] Resümee: Der Begriff Chaos steht für Anarchie — doch neu begriffen, ist Chaos die Grundlage von Ordnung, Natur und Leben. Das, was wir uns unter Ordnung vorstellen, ist vielmehr ein nichtexistentes Ideal. Die treibende Kraft von Physik und Chemie und allen höheren Ordnungen sind Ungleichgewichte! Ein Gleichgewicht wäre das Ende aller Prozesse. Und wenn das beunruhigend wirkt, liegt das nur an unserer völlig konträr zur Wirklichkeit stehenden Besetzung von Worten und Symbolen. Alles ist dazu geeignet, exakt konträr zur Wirklichkeit stehende Denkstrukturen und Gefühle, Bedürfnisse und Ziele zu entwickeln.
[15] Roger Penrose und David Hammeroff u.a. beschreiben, wie die Mikrotuboli der Zellen quanten-elektrodyamische Hohlräume erzeugen, indem sie dieses Röhrengeflecht in Schwingung versetzen und so Hologramme aus Interferenzen erzeugen. Hologramme sind ein hervorragender Informationsspeicher, der an jedem Punkt die Gesamt-Informationen trägt. Nur so kann die Zelle ihre hochkomplexe Koordination von 100.000 Entscheidungen pro Sekunde erfolgreich lösen.
[16] Es gibt etwas, was jeden Geist, all seine Ebenen anspricht und durchdringt, eine große Gemeinsamkeit: Wirklichkeit! Also eine zweifelsfreie äußere|innere Realitätsebene, der wir Materie, also auch uns selbst, zuschreiben. Eine Ebene, auf der man sich unmittelbar treffen könnte. Der Spiritualität, die Metaphysik wusste es immer, die sonstige Forschung ereilte die Wirklichkeit seit über 100 Jahren zunehmend, durchdrang alle Wissenschaften und Künste … und kultivierte sich, vermischte sich mit Erfahrungen über Generationen. Gesellschaftlicher Maßstab ist jedoch unverändert ein überwiegend mechanistisches Weltbild, welches sich schlicht als unrichtig und dysfunktional erweist, auch im Sozialen.
[17] Let‘s pray: Unmittelbare Kommunikation wird wieder möglicher, mit allem, da die gleiche Perspektive eingenommen werden kann. Zudem eine Perspektive, die kultur-neutral und völlig interdisziplinär organisiert ist. DIE Chance zur Entwicklung, seitdem wir vor einigen Jahrtausenden die Empfindung der mythische Einheit mit Allem zunehmend verloren. Dieser Verlust steht stark im Zusammenhang mit der damaligen Entwicklung der Sprache, die alle Dinge durch begriffliche Abgrenzung zu anderen trennt — doch einen unvermeidlichen Schritt darstellt, um die seitdem andauernde kulturelle Evolution des Menschen wirklich beginnen zu lassen. Ein Konsens aller Lebensbereiche scheint nun wieder möglich und unsere heutige Schizophrenie heilbar, da sich ein Weltbild als widerspruchsfrei und uferlos herausstellt. EIN homogenes Bild, welches Philosophie und Spiritualität aus Ost und West ebenso neutral vereint, wie es das Potential hat, Nord und Süd zu versöhnen. Ein Strand, auf dem Menschen sich begegnen können, viel mehr als nur ein gemeinsames Fundament, eher ein Raum, ein globales Milieu, in dem sich leicht Zusammenhänge offenbaren, Interferenzen entstehen.
[18] Genetische Quantensprünge sind nicht nur möglich, sondern Grundelement der Evolution: Die Universität von Los Angeles (UCLA) kennt sie, spätestens seit 1995. Sie fanden heraus, dass einige Menschen, besonders Kinder statt der üblichen 21 verschiedenen Bausteine (Kodons|Nukleotid) ihrer DNA 24 Bausteine zur Verfügung haben und so ein Immunsystem besitzen, welches gegen quasi alles, z.B. gegen Aids, resistent ist. Da der Basen-Baukasten vier Basen enthält, sind sogar 64 Kombinationen denkbar. Es ist bekannt, dass sich die Gene auch innerhalb der Generation, also während des Lebens umbauen (Francisco Varela, Susan Blackmore, Humberto Maturana) und so bei der Fortpflanzung einen genetischen Quantensprung einleiten. Selbst Amöben können das — einen offensichtlich zielgerichteten Umbau, z.B. die Resistenz gegen Basen. Auch wäre die Geschwindigkeit der bisherigen Evolution nicht nachvollziehbar, wenn keine gezielten, sinnvollen Sprünge stattfänden.
[19] Wir haben es italienischen Wissenschaftlern (Broca Areal, vorne links im Neocortex, Parma 1991, Vittorio Gallese, heute Christian Keyser, siehe Bas Kast, Revolution im Kopf, S. 135 ff. , BvT, Berlin, 2003.) zu verdanken, dass wir die sog. Spiegelzellen entdeckt haben, die neurobiologische Anlage von Mitgefühl und Menschlichkeit: Einige Nervenzellen reagieren auf eigenes und fremdes Leid gleichermaßen. Des anderen Hunger, Krankheit, Leid, Schmerz, Kummer, Angst. ›Es lässt einen nicht kalt‹. Ebenso wird vermutet, dass die Spiegelzellen die Grundlage für die Sprache bilden, die aus urmenschlichem Nachahmen entspringt. Sprache ist vor allem Motorik und beginnt beim ersten Greifen. Später entsteht die Idee für ein Handelns oft beim Sehen oder Hören dieser Handlung. ›Auch haben wollen‹ ist da der rührende Anfang (dto. S. 148). Unsere Anlagen für Mitgefühl sind Kernzelle dessen, was wir mit menschlich beschreiben. Die Spiegelzellen sind wie alle Neuronen aktivierbar, anregbar, ausbaubar — und aktivieren unsere Motivation zur Nachahmung. Daher wirkt jedes Tun für ein friedvolles Miteinander unmittelbar und direkt in das Bewusstsein der Menschen.


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