“Bewusstsein als Entwicklungsprozess” von Prof. Fritz-Albert Popp
(Protokoll des frei gehaltenen Vortrages)
Zu dieser künstlerischen Umgebung, die mich etwas an Platons Schattenwelt erinnert, passt sehr gut unsere Bewusstseinsstruktur.
Diese Frage, die wir hier heute behandeln, ist sicher eine der wichtigsten Fragen, wenn nicht die wichtigste der Wissenschaft, Kunst und was immer.
Vor einigen Jahren, als ich einen Vortrag über Homöopathie hielt, ich erinnere mich, da saß ein junger Mann im Auditorium, der zunächst neugierig zuhörte, dann immer wütender wurde. Sein Gesicht färbte sich rot, und er rief dann alle drei Sätze: »Wo ist der Beweis, wo ist der Beweis, wo ist der Beweis?« So wird es uns heute wahrscheinlich bei der Frage des Bewusstseins immer wieder gehen. Ich fragte ihn dann nach einer Weile: »Ja, haben Sie denn über ihre Fragen auch wirklich nachgedacht?« Da sagte er: »Ja, selbstverständlich.« Ich sagte: »Ja, und wo ist der Beweis?«
Wenn wir uns mit Bewusstsein beschäftigen, dann haben wir tatsächlich das Problem, dass wir über etwas reden, was alle kennen und keiner jemals definiert hat. Ich habe einen Kollegen, der sich auch mit Bewusstsein beschäftigt, der hat sich die Mühe gemacht, alle Definitionen, die er in den Büchern gefunden hat, zusammenzutragen, und am Schluss schrieb er eine Arbeit ›definition of consciousness, — impossible and unnecessary‹. Und wir sind auf der anderen Seite gezwungen, etwas zu definieren, denn wenn nichts definiert ist, ist im Grunde genommen jede Aussage über einen Gegenstand wertlos.
Wir sind also zunächst einmal gezwungen, darüber zu sprechen, was wir unter Bewusstsein zunächst einmal verstehen. Jeder hat ein Gefühl dafür, eine Empfindung, es gibt eine intersubjektive Übereinstimmung, dass jeder weiß, was Bewusstsein ist. Wenn Sie dies bezüglich Ihre Katze fragen, werden Sie schon nicht mehr wissen, ob Sie eine vernünftige Antwort darauf kriegen werden, und je weiter wir in der Evolution zurückgehen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man so etwas wie Bewusstsein antreffen kann. Das heißt, wir haben irgendwie das Gefühl, dass das Bewusstsein etwas mit einem Entwicklungsprozess zu tun hat, dass, wenn Sie sich den Aufbau der Materie von den Elementarteilchen bis zum Bewusstsein hin mal vor Augen führen, dass man das Gefühl hat, dass zunächst etwas Materielles vorhanden ist, dass diese Materie sich formt, dass über diese Materie hinaus etwas anderes von Wichtigkeit ist — das ist das Bewusstsein. Jedenfalls nicht etwas, dass nur materiell zu verstehen ist, — zumindest müssen wir auch die Energieverteilung über die Materie kennen.
Man kann sich hier bereits fragen, ob es genügt, die Energieverteilung über die Materie zu kennen, um dann zu wissen, was Bewusstsein ist. Auf jeden Fall ist es so, dass die Energieverteilung eine wesentliche Rolle bei der Formung des Bewusstseins spielt. Der Physiker wird dann sagen, die Energie selbst ist nicht ausreichend, ich brauche noch die Entropie dazu, weil die Entropie im Grunde genommen sagt, wie diese Energie verteilt ist, welche Musterung erfolgt. Dann ist man schon beim Begriff der Information. Der Physiker versucht zu verstehen, welche Zusammenhänge zwischen Energie, Entropie und Information vorhanden sind, und schließlich kommt man doch in die Kategorie, dass man fragt, von welcher Stelle an können wir von Bewusstsein sprechen. Ist das Bewusstsein eine spezielle Art der Energieverteilung der Information? Jedenfalls haben wir alle das Gefühl, Bewusstsein muss irgendetwas mit Information zu tun haben.
Aber nicht nur aus dieser Sicht der evolutionären Entwicklung des Bewusstseins kommen wir zu einem Anschluss, der uns etwas über die Definition sagen kann, sondern auch, — und das ist eine der elementaren Fragen überhaupt, sie haben diese Fragezum Inhalt dieses Treffens gemacht —, über Realität und Bewusstsein. Wir haben alle das Gefühl, dass Bewusstsein natürlich etwas mit der Realität zu tun hat, aber es ist nicht die Realität selbst. Kann man nun sagen, alles, was nicht real ist, ist das Bewusstsein? Können wir Bewusstsein als etwas definieren, das eben nicht zur Realität gehört? Wenn ich diese Behauptung nun aufstelle, gibt es sicherlich niemanden, der diese Behauptung widerlegen könnte.
Schrödiger wurde befragt, ob es nur ein Bewusstsein oder mehrere Bewusstsein gibt. Er kam dann zu dem Schluss, es kann nur ein Bewusstsein geben und wenn es nur ein Bewusstsein gibt, dann gehört natürlich alles zum Bewusstsein. Dann kann man überhaupt nichts ausschließen. Ich möchte zwei Probleme erwähnen, die uns diese Problematik der Wechselwirkung zwischen Realität und Bewusstsein sehr deutlich zeigen. Das eine ist ein Problem der Quantentheorie, das bei tieferer Betrachtung erstaunliche Konsequenzen hat. Wenn ich z.B. wie Demokritus es gefordert hat, die Welt auf ihre ursprünglichen Einheiten, ihre Elementarteilchen zurückführe, die alle identisch sind, die per Definitionen identisch sind (Atome sind Teilchen, die sich sehr stark lokalisieren lassen, die aber alle identisch sind), dann führt das interessanterweise in unserem Bewusstsein zur Schlussfolgerung, dass nicht die Welt aus separierten einzelnen Teilchen besteht, die nichts mehr miteinander zu tun haben, sondern es führt zur konsequenten Schlussfolgerung, dass alle Teilchen sich ständig an allen Teilen der Welt vertauschen müssen, dass sie ihre Plätze vertauschen müssen. Weil ich, wenn ich jetzt hier ein Atom messe und hier ein Atom messe, nicht weiß, welches Atom nun welches ist, d.h., ich bin dazu gezwungen anzunehmen, dass sie permanent ihre Plätze vertauschen, so dass die Realität der Welt, wie Demokritus, die Griechen und viele Elementarteilchenphysiker heute unter Umständen denken, die Welt aus einzelnen Teilchen zusammengesetzt ist, die nichts miteinander zu tun haben, — sondern die Welt ist ein Ganzes, das überhaupt nicht in einzelne Teile separiert werden kann, weil diese nicht unterscheidbaren identischen Teilchen permanent ihre Plätze vertauschen müssen.
Sie werden sagen, das ist naiv, das gibt‘s überhaupt nicht. Aber das erklärt z.B. die Stabilität des Wasserstoffmoleküls. Das Wasserstoffmolekül ist nur deshalb stabil, weil die beiden Valenzelektronen der beiden Atome nicht identisch sind, sondern ständig ihre Plätze vertauschen müssen und durch dieses Vertauschen der beiden Elektronen entsteht die Anziehungskraft, die dann auch quantitativ feststellbar ist und gemessen werden kann. Hier ist dieses Beispiel: Wir haben zwei separierte Wasserstoffatome, die nicht als atomare Einheiten stabil sind, sondern sobald sie aufeinandertreffen, entsteht das Wasserstoffmolekül.
Man weiß, dass dieses Molekül nur deshalb stabil ist gegenüber den Atomen, weil diese beiden Elektronen eben nicht mehr einzelnen Atomen zuzuordnen sind, sondern im Grunde genommen ständig ihre Plätze vertauschen müssen, damit diese Stabilität entsteht. Ich kann das auch gar nicht anders denken. Ich hab gar nicht die Möglichkeit, wenn ich das theoretisch untersuche, eine andere Annahme zu machen, dass diese völlig identischen Teilchen ständig ihre Plätze vertauschen müssen, weil ich nicht widerlegen kann, dass sie ihre Plätze vertauschen. D.h., die Realität ist das, was ich denken muss, wozu ich gezwungen bin und nicht etwa etwas, was uns makroskopisch wahrscheinlich erscheint.
Und hier tritt schon mal eine extrem interessante Frage auf, nämlich die: Ist die Realität die Ausgeburt unseres Bewusstseins oder hat sich unser Bewusstsein einer Realität anzupassen, die wir gar nicht verändern können? Letztlich ist eine ständige Wechselbeziehung da, und die Realität, die wir erfassen, ist nur dann widerspruchsfrei und nur dann erfassbar, wenn sie in dem Prozess der Logik unserer Gedanken und dem, was wir als Tatsächlichkeit empfinden, keine Widersprüchlichkeit ergibt, so dass diese beiden Bilder, Dinge sozusagen widerspruchsfrei, deckungsgleich eine Realität erzeugen, von der man, und das ist die eigentliche Schlussfolgerung, am Schluss nicht mehr sagen kann, ist die Realität das Produkt unseres Bewusstseins oder ist das Bewusstsein ein Abbild der Realität. Wir können diese Frage nicht mehr entscheiden, — erst dann sind wir zufrieden. Erst dann ergibt sich kein innerer Widerspruch mehr, erst dann sagen wir, jawohl, so ist die Realität.
Ein anderes Beispiel, was jedem geläufig, was noch viel trivialer ist, aber über das wahrscheinlich viele auch noch nicht nachgedacht haben, ist folgendes: Sie werfen eine Münze und fragen, fällt die Münze auf Zahl oder Wappen. Wenige haben sich bewusst gemacht, wenn diese Frage nicht gestellt wird, ist der Münzwurf völlig irrelevant.
Es ist dann ein Ereignis, wie viele viele Ereignisse im Universum auch, das überhaupt gar keine Relevanz hat, das auch gar nicht in gewisser Weise zur Realität gehört, das nicht wahrgenommen wird. Umgekehrt, wenn Sie nur die Frage stellen, fällt die Münze auf Zahl oder Wappen, dann ist das genauso irrelevant. Es ist eine brotlose Kunst, es wird zu keinem Ergebnis führen können. Was dabei passiert ist folgendes, die aktuelle Information, die Welt der Tatsächlichkeiten wird abgeschnitten, wenn Sie die Münze überhaupt nicht werfen. Und die Welt der Möglichkeiten wird abgeschnitten, wenn Sie die Frage nicht stellen, d.h., beides gehört zusammen. Der Prozess des Bewusstseins besteht darin, dass Sie die Welt der Tatsächlichkeiten mit einer Welt der Möglichkeiten in Verbindung bringen — und aus diesem Wechselwirkungsprozess überhaupt erst etwas wirklich gestalten.
Das Bewusstsein kann also nicht verstanden werden als Welt der Tatsächlichkeiten. Das wissen wir, weil die Welt der Tatsächlichkeiten etwas ist, an dem das Bewusstsein, wie wir glauben, nichts ändern kann. Aber der andere Prozess, die Welt der Möglichkeiten, läuft nicht in der Welt der Tatsächlichkeiten ab, sondern nur in unserem Bewusstsein, oder in dem, was wir selbst denken. Mit anderen Worten, das Bewusstsein kann dann und nur dann verstanden werden, wenn ein Transformationsprozess (das würde jetzt zu weit führen, ich muss auch sagen, ich habe diesen Prozess nicht vollständig verstanden. Ich werde aber über diesen Prozess etwas reden) stattfindet zwischen dem, was wir Realität nennen, und dem, was wir Welt der Möglichkeiten nennen. Und wenn diese Welt der Möglichkeiten nicht eingeschaltet in diesen Prozess ist, dann gibt es auch gar keine Welt der Tatsächlichkeiten.
Das Bewusstsein ist nur verständlich als ein solcher Wechselwirkungsprozess.
Deshalb würde ich auch, wenn ich Bewusstsein definieren müsste, diese beiden Welten zusammenführen, eine Welt der Fakten, der Tatsächlichkeiten, was wirklich passiert, was wir messen können mit unseren Messinstrumenten, aber auch die Welt der Möglichkeiten. Und diese Welt der Möglichkeiten, und das ist das ganze Problem, sie ist subjektiv, sie ist nicht objektivierbar, sie ist unwissenschaftlich, sie ist etwas, was wir als Wissenschaftler immer ausklammern oder auszuklammern versuchen, damit wir uns überhaupt intersubjektiv einigen können usw. und so fort. Aber dieses Bewusstsein ist nur erklärbar über so einen Wechselwirkungsprozess zwischen den Fakten und den Möglichkeiten.
Und hier stellt sich die Frage: Kann man so etwas überhaupt objektiv definieren, gibt es eine Möglichkeit, das zu objektivieren? Und diese Frage ist unentschieden, aber man kann sich zumindest bemühen, wenn man keine Antwort auf diese Frage weiß.
In der Physik gibt es etwas, was ähnliche Probleme nach sich zieht oder auch eine Analogie aufweist, und das ist interessanterweise ein Hohlraumresonator, einfach ein Hohlraum. Und in diesen Hohlraum passen elektromagnetische Wellen rein, die man von außen gar nicht beobachten kann, aber diese Wellen führen zu einer Information, die man potentielle Information nennt. Wenn ich in einem Hohlraum eine Welle einsperre, und die Welle immer hin- und her reflektieren lasse, dann hab ich natürlich überhaupt nicht die Möglichkeit herauszufinden, ob die Welle drin ist oder nicht. Wenn ich eingreifen würde, würde ich das stören und zum Verfall bringen.
Aber dieses einfache Modell ist erstaunlich tiefsinnig, und allein nur wenn man das richtig verstanden hat, kommt man dem Problem wesentlich näher. Es ist nämlich so, dass diese Welle die Information beschreibt und zwar nicht die aktuelle Information, sondern die potentielle Information. Also die Welle beschreibt im Grunde genommen die Information, die auch auf der Welle dann realisierbar werden kann. Denn ich kann die Welle modulieren, ein- und ausschalten, ich kann sie genauso oft ein- und ausschalten, wie sie hin- und herreflektiert wird. Ich habe also die Möglichkeit, aus der Zahl der Reflektionen dieser Wellezu erkennen, wie oft ich sie ein- und ausschalten kann, und diese Ein- und Ausschaltprozesse definieren immer gerade ein Bit von Möglichkeiten. Ich kann also damit ein Bit übertragen. D.h., die Ein- und Ausschaltprozesse dieser Welle geben mir in Bit, als Informationseinheiten, die potentielle Information dieser Welle wieder. Das ist wohl bekannt, aber es ist ein physikalisches Modell, eines der einfachsten physikalischen Modelle, wie man sich vorstellen kann, wenn man über die Frage des Bewusstseinsspricht, und wenn man physikalisch verstehen, begreifen will, wie sich so etwas entwickelt.
Es ist tatsächlich so, dass letztlich die Zahl der Hin- und Her-Reflektionen dieser Welle, ausgeprüft durch die Resonatorbühne, die gleich ist der Frequenz dieser Welle, multipliziert mit der Energie dieser Welle, dividiert durch die Verluste, die auftreten, Dämpfungsverluste, das ist genau die potentielle Information. D.h., ich hab hier eine Möglichkeit, an einem Modell die potentielle Information des Bewusstseins zu berechnen, und ich kann sagen, das Bewusstsein muss eine potentielle Information widerspiegeln, weil es eben die Zahl der Möglichkeiten repräsentiert, die sich das Bewusstsein ausdenken kann, wenn es mit der Realität in Zusammenhang gebracht wird. Ich habe also ein physikalisches Maß, ein objektives Maß, soweit das überhaupt möglich ist, um das Bewusstsein zu quantifizieren, anhand eines solchen einfachen Beispiels. Und das führt natürlich dazu, dass man hier auch einen Einstieg findet in die Biologie. Ich muss fragen, macht die Biologie so etwas, hat die Biologie solche Hohlraumresonatoren. Produziert die Biologie solche potentiellen Informationen, die mich dann dazu bringen, das Bewusstsein in diesen Punkt der potentiellen Information zu quantifizieren? Und das ist tatsächlich der Fall. Schon eine einzelne Zelle macht das, und ich will Ihnen ein Beispiel zeigen.
Hier sehen Sie die bekannten mitotischen Figuren einer Zelle bei der Zellteilung. Und schon Schrödinger hat sich die interessanteFrage gestellt: Warum tritt bei der Zellteilung kein Fehler auf? Es handelt sich hier um 10 Milliarden Moleküle, die genau in zwei Hälften geteilt werden und bei Teilung ist der Fehler gleich null. Obwohl er, statistisch betrachtet, wenn kein Bewusstsein da wäre, in der Größenordnung von 105 Molekülen liegen müssten, also 100.000 Moleküle müssten in die falsche Richtung laufen. Aber der Fehler ist null. Was passiert hier, es passiert ein hochintelligenter Prozess,würden wir sagen, der dafür sorgt, dass die aktuelle Welt, die Realität der Zelle, auch den Tatsächlichkeiten und Forderungen entspricht. Und schauen Sie sich dieses Muster hier an, dieses Muster ist genau das gleiche Muster wie die mitotischen Figuren. Wenn man das genau betrachtet, wird man sehen, es ist kein Unterschied vorhanden. Das ist eine Welle, das ist eine elektromagnetische Welle, eine Hohlraum-Resonatorwelle, die genau in diese Zelle hineinpasst und nur dann stabil wird. Man kann diese Wellen ausrechnen und manfifindet dann, dass sie im optischen Wellenlängenbereich liegen, dass sie ganz bestimmte Modi`s repräsentieren. Wir haben das hier mal ausgerechnet, da können Sie sehen, dass diese Wellen spezielle Frequenzen haben. Diese Frequenzen kann man ausrechnen, und man findet dann für eine Zelle z.B. Frequenzen zwischen UV und Infrarot. Jetzt könnte man etwas pauschal und naiv sagen, diese Struktur ist genau, was die Hohlraumresonatorwelle ist, nämlich das Bewusstsein, das Bewusstseinsmuster. Das ist die potentielle Information, die auf dieser Welle gespeichert werden kann. Es gibt eine Vielzahl von solchen Wellen, die sich überlagern und die z.B. dann zur Realität der Zellteilung führen.
Wenn das alles richtig ist, muss man diese Wellen natürlich auch nachweisen können. Wir messen sie tatsächlich, wir messen solche Wellen tagtäglich. Es sind Biophotonen, wir sagen Biophotonen dazu. Wenn ich einen Photomultipler vor die Welle stelle, dann muss die Welle, wenn sie rausgelassen wird, natürlich die gleiche Frequenz haben, es ändert sich ja nichts, ich weiß also am Frequenzspektrum, ob solche Wellen vorhanden sind oder nicht. Ich kann aber auch an der Zellstatistik messen, ob diese Wellen auch wirklich so stabil in der Zelle sind, dass ich ihnen eben eine entsprechend hohe Kohärenz, wie der Physiker sagt, zuordnen kann. Ich kann also auch ihre Halbwertzeit messen, ich kann messen, welche Bedeutung sie haben, ich kann messen, wie sie mit den verschiedenen Funktionen der Zelle im Zusammenhang stehen. Das alles haben wir in den letzten 20 Jahren getan mit vielen anderen Wissenschaftlern, und heute wissen wir, dass solche Wellen tatsächlich existieren, dass sie kohärent sind, z.B. ein kontinuierliches Spektrum haben. Was sie auch haben müssen, weil, wenn Sie den Zellverband betrachten, da alle Wellen früher oder später für verschiedene Vorgänge gebraucht werden, die in der Zelle ablaufen. Sie sind gebunden an die DNA, an etwas, was aus dieser Sicht des Bewusstseins sowohl syntaktisch als auch von der reinen Frequenzbetrachtung her, von den Möglichkeiten her, ein solches Bewusstsein, wie wir es fordern, informativ nur gestalten kann.
Also ohne DNA, das wage ich zu behaupten, gäbe es das, was wir Bewusstsein nennen, mit Sicherheit nicht. Weil DNA ist das einzige Molekül, was geradezu einen dramatischen Sprung in den Informationsmöglichkeiten hat gegenüber allen anderen Molekülen. Es sind Größenordnungen von Unterschieden, d.h., wenn wir nach der Realisierung des Bewusstseins in biologischen Systemen fragen, dann bleibt uns nichts anderes übrig als davon auszugehen: einmal ist es die DNA und zweitens sind es die elektromagnetischen Wellen, die von der DNA wahrscheinlich herrühren. Wir wissen es nicht genau, aber es gibt sehr viele experimentelle Korrelationen dazu. Diese Wellen tragen die potentielle Information in sich, ihre Gestaltung, ihre Modulationsmöglichkeiten bringen das zustande, was wir als Bewusstsein zu konkretisieren versuchen. Ich will Ihnen ein paar Beispiele zeigen, wo Sie sehen, wie diese Bewusstseinswellen, diese Biophotonen auch wirklich mit dem, was in der Biologie abläuft, im Zusammenhang stehen.
Ich sagte Ihnen gerade, dass bei der mitotischen Teilung solche Wellen entstehen, — konsequenterweise muss das auch mit den Teilungsprozessen zu tun haben und ich muss während der Teilung, während des Wachstums, Korrelationen finden zwischen diesen potentiellen Informationen des Bewusstseins, die ich direkt nicht messen kann. Es gibt keine Möglichkeit, eine solche Welle direkt zu messen, es ist völlig unmöglich: Erstens von der Dimensionierung her — ein Photomultipler ist als solcher Apparat zu groß, da eine Zelle 10-9 Kubikzentimeter hat — und zweitens auch theoretisch von der Unmöglichkeit her die Welle zu messen, ohne sie zu zerstören.
Damit zeigt das Bewusstsein eben genau die Eigenschaft, die wir letztlich erwarten: es gibt keine Möglichkeit, das Bewusstsein zu greifen. Wir können es nur indirekt erschließen aus den Äußerungen des Bewusstseins, aus seinen Signalen. Solche Signale sind eben solche Biophotonen hier, z.B. solche Photonenemission von Keimlingen, die wachsen. Mit der Zunahme der Masse steigen im gleichen Maße diese Signale korrelativ an, aber sie sind wesentlich raffinierter strukturiert, so dass sie wesentlich mehr Information tragen als nur die Information, dass eine Zelle sich zu teilen hat oder nicht, sondern es werden hier komplexe Phasen, Korrelationen durchlaufen. Wir wissen heute, dass diese Signale in der Lage sind, 100.000 Reaktionen pro Sekunde und pro Zelle exakt zu steuern. In einer Zelle haben sie 100.000 Reaktionen pro Sekunde und wir bestehen aus 1013 Zellen. Wenn ich jetzt ›21‹, ›22‹ sage, sind in ihrem Körper 105 mal 1013 chemische Reaktionen abgelaufen. Sie sehen, was dieses Bewusstsein leistet, auch schon in einer Zelle. Das ist schon eine unvorstellbare Information, die hier von den Möglichkeiten in die Tatsächlichkeiten übertragen wird und diese Informationen können von einzelnen Photonen gesteuert werden, wobei lediglich vorausgesetzt werden muss, dass diese Photonen kohärent sind, wie der Physiker sagt, also nicht Lampenphotonen sind, sondern, dass es Photonen sind, die interferieren können, solche Wellenmuster erzeugen können, die eben die entsprechende Kohärenz haben, um das Ganze zu organisieren. Und diese Wellen haben tatsächlich auch Organisationsfähigkeit, was man einem Bewusstsein zuordnen muss, ein Bewusstsein muss intelligent sein, es muss irgendeinem Optimierungsprinzip genügen und zwar nicht dem Darwinschen Optimierungsprinzip, möglichst viele umzubringen, damit man lange überleben kann, sondern dem Optimierungsprinzip, möglichst kommunikativ zu sein, möglichst viele Informationen speichern zu können, diese Informationen zu verwenden für die Überlebensfähigkeit des Systems.
Bewusstsein ist aus dieser Sicht ein evolutiver Prozess, der dafür sorgt, dass das Lebewesen auch wirklich überleben kann, dass es seine Informationen auch nutzen kann, um optimal zu überleben. Und das setzte eine Optimierung der Intelligenz voraus und nicht eine Optimierung der Überlebenskräfte. Wenn wir z.B. die Evolution der Individuen betrachten, dann kann das Lebewesen nur dadurch überlebt haben, dass die Teilungsrate der Zellen größer ist als die Verlustrate, das wäre allein durch Darwin zu bewerkstelligen.
Unter solchen Bedingungen wird das System überleben, gleichgültig in welcher Form. Aber wenn zusätzlich noch diese Optimierung der Organisation hinzukommt, dann wird gleichzeitig auch Energie gespart, weil eine Teilung nur noch dann stattfindet, wenn sie wirklich nötig ist und sich nicht einfach wild durchzusetzen braucht. Ich kann dann auch die Verlustrate minimieren, ich kann die Teilungsrate minimieren. Neben diesen beiden Überlebensbedingungen kommt noch eine dritte dazu, die eben genau allein durch die Entwicklung des Bewusstseins möglich ist. Und dieses Bewusstsein kann aus dieser Sicht eben nicht linear konstruiert sein, in der Sie einfach z.B. bei der DNA eine Base nach der anderen als Informationsträger betrachten müssen und sagen, immer drei Basen bestimmen ein Protein, das Protein wird schon dafür sorgen, dass die Heinzelmännchen der Enzyme ihre Arbeit zur richtigen Zeit tun.
Und das ist gerade eines der Probleme unserer heutigen Gentechnologie und des Verständnisses von Biologie. Die Biologie ist wesentlich intelligenter als die Biochemie, wie man aus Gründen ihrer experimentellen Fakten annehmen kann. Die DNA ist nicht linear konstruiert, sondern sie ist so konstruiert, dass jedes Teilchen, jede Base zu jedem Zeitpunkt von jeder anderen Base Bescheid weiß. Das ist eine Konstruktion, die über diese Stoßbetrachtung, dass ein Basenpaar mit einem anderen zusammenstoßen muss, damit überhaupt etwas wahrgenommen wird, überhaupt nichts zu tun hat. Und das kann man auch zeigen, das kann man auch messen. Man kann nämlich jetzt die ursprüngliche Idee des Bewusstseins als Optimierungsprinzip zugrundelegen und kann sagen, wie lässt sich die aktuelle Information, die ich habe, und die potentielle Information, die damit in Rückkopplung steht, zusammenwirken, damit ein Optimum dieses Übertragungsprozesses stattfinden kann. Und dieses Optimum finden sie dann interessanterweise und nur dann, wenn sie ein sehr grundsätzliches, physikalisches Gesetz erfüllen, nämlich das sogenannte Hamilton-Prinzip.
Das Hamilton-Prinzip ist eines der grundlegenden physikalischen Gesetze überhaupt, hier wird im Grunde genommen potentielle Information und aktuelle Information in ihrem Aufeinanderstoßen optimiert.
Das sieht dann so aus, ich nehme eine LaPlanche-Funktion, die besteht aus dem Verhältnis der potentiellen
Information zur aktuellen Information und optimiere das, und komme dann zu einer Hamilton-Funktion, einem Hamilton-Prinzip. Nun kann ich z.B. für den Hohlraumresonator bereits sehen, wann dieses Extremal-Prinzip erfüllt ist. Und das ist dann erfüllt, nicht etwa wenn sie eine lineare Organisation erfüllen, wenn die Einzelteile immer nur etwas mit dem Nachbarn zu tun haben, sondern dann, wenn sie eine ganzheitliche Organisation haben, wie auch bei diesen Hohlraumresonatorwellen in der Zelle, wo jeder Teil zu jedem Zeitpunkt mit jedem anderen Anteil in Verbindung steht.
Wenn ich in eine solche Hohlraumstruktur, bei der methodischen Teilung an irgendeiner Stelle eingreife, dann merken sofort alle anderen Stellen, was los ist. Und nicht nur die Stelle, an der ich eingreife, weil es sich um ein ganzheitliches Muster handelt, das nur von allen Teilen gesteuert wird. D.h., ich komme z.B. auch für die DNA zu einer Struktur, die so aussieht, wo jeder Anteil der DNA zu jedem Zeitpunkt mit jedem anderen Teil in Verbindung steht.
Das löst auch die bis heute ungeklärte biologische Frage, dass die Molekularbiologie, weil sie eben nicht weiter weiß, hochwissenschaftlich als Paradoxon bezeichnet und dann in die Ecke stellt. Dieses Paradoxon heißt, dass z.B. nur 2% der DNA wirklich genetisch aktiv sind. Nur 2% dieses 2 Meter langen Fadens in unseren Zellen, nur 2%, das sind 4cm. Nur dieser kleine Anteil erfüllt wirklich die Funktion, die von der Molekularbiologie aufgedeckt ist, nämlich einegenetische Funktion. Was der übrige Teil tut, weiß man nicht. Man hat schon spekuliert, dieser Teil sei völlig überflüssig und so ähnlich wie in einer Gesellschaft die eben sehr viel Überflüssigesunter Umständen produziert, die Selfish-DNA oder Bürokratie- DNA. Doch aus der (neuen) Art der Sicht hat man sofort eine Lösung bereit, denn diese 98% erfüllen einfach Informationsaufgaben, die ja auch ein Hohlraumresonator übernimmt, diese Informationsaufgaben sind notwendig, damit eben in der Zelle dann, zu jedem Zeitpunkt an der richtigen Stelle richtige Reaktionen stattfinden können und das kann man auch nur darüber erklären. Das kann man auch tatsächlich nachweisen, ich habe mich diesem Problem mit einem Kollegen über mehrere Jahre gewidmet, — wir haben das dann auch nachgewiesen. Die Konsequenz ist, dass wenn Sie aus einem Hohlraumresonator, der nur aus linearen Wellen besteht, Wellen rauslassen, dann werden sie einfach so gedämpft, dass die Ablenkfunktion immer die Exponentialfunktion ist.
Wenn aber diese optimale Organisation vorliegt, wenn sich das System eben so organisiert, wie ich das gerade gesagt habe, dass jeder Teil zu jedem Zeitpunkt von jedem anderen Teil etwas weiß, über diese elektromagnetischen Kopplungen, dann wandelt sich die chaotische Exponentialfunktion in eine hyperbolische Funktion um. D.h., wir können messen, ob die Organisation ideal oder nicht ideal ist. Das kann man darüber machen, dass sie z.B. im System Licht anbieten, dass sie sich mit Licht aufpumpen und dann fragen, wie gibst du das Licht wieder ab — gibst du es exponentiell ab, oder gibst du es hyperbolisch ab. Und es ist heute Tatsache, und es ist durch viele andere Gruppen weltweit immer wieder bestätigt worden, die Zelle, jedes lebende System gibt seine Photonen, wenn ich das System mit Licht versorgt habe, nicht nach dieser Funktion ab, das wäre die chaotische Exponentialfunktion, sondern nach dieser hyperbolischen Funktion.
Wir sehen auch, wie hervorragend die Übereinstimmung vorhanden ist zwischen den experimentellen und theoretischen Werten. D.h., wir können wirklich davon ausgehen, wir dürfen uns das zutrauen, dass biologische Systeme ideal organisierte Systeme sind, dass die Organisation des Systems perfektioniert ist, dass das biologische System überhaupt nur evolutiv das Ziel verfolgt, das Bewusstsein, wenn ich das mal so lasch ausdrücken darf, zu optimieren, die Organisation zu perfektionieren. Das können Sie auch bei einigen biologischen Systemen klar erkennen. Wenn ich z.B. Tumorzellen messe, und sie mit den Normalzellen vergleiche, dann ist es so, dass mit Zunahme der Zellen in einem Verband die normalen Zellen immer besser organisiert werden, dass sie immer kohärenter werden, dass diese nicht lineare Kopplung zwischen den Teilen sich immer weiter verbessert, während das bei Tumorzellen gerade umgekehrt der Fall ist. Hier ist eine solche Messung, die wir an Normalzellen durchgeführt haben, Sie sehen, hier ist der Übergang in den optimalen Zustand, der erfolgt außerordentlich schnell, während sich die Tumorzellen mit zunehmender Zelldichte sich immer stärker von diesem Optimum entfernen und genau eben das annehmen, was wir eben vermeiden sollen, eine Zerstörung der Organisation, — sie werden Individuen.
Die Krebszellen werden völlig individuell, sie können sich nicht mehr organisieren, gleichzeitig nimmt die Kommunikationsfähigkeit ab und hieraus können Sie erkennen, dass Bewusstseinvorwiegend mit der Kommunikationsfähigkeit zu tun hat. Es muss nicht heißen, das muss ich dazu sagen, dass jeder mit jedem nun gleich verheiratet sein muss, damit eine optimale Kommunikation entsteht. Sondern es heißt, und die Natur realisiert das auch in dieser Weise, dass für jeden Zeitpunkt die Möglichkeit besteht, mit jedem zu kommunizieren, in welcher Form auch immer. Die Biologie macht keineVorschrift darüber, ob man schlimme Feinde sein oder ob man sich vertragen muss, das sagt die Biologie nicht, — sie erlaubt eben einfach nur die Kommunikation mit jedem — ohne eine Vorschrift, ohne eine Wertung, was zu kommunizieren ist. Das sehen Sie beispielsweise nicht nur an Tumorzellen, sondern in einer Organisation selbst. Ich hatte einen sehr genialen Biologen als Doktoranden, der hat die interessante Idee gehabt. Wenn es stimmt müsste eigentlich, z.B. bei Wasserflöhen, wenn sie sich organisieren, ihre Biophotonenemission nicht einfach linear mit der Zahl der Organismen ansteigen, sondern es müsste sich irgendein Muster ergeben, aus dem die Organisation der Einzelteile zu verstehen ist. Und er hat auch diese Versuche konsequent durchgeführt. Ich will Ihnen nur zeigen, was man erwartet, wenn man von einer chaotischen Struktur ausgeht, die letztlich gar keine Bewusstseinsfähigkeit hat. Dann würde man erwarten, dass einfach mit der Zahl der Flöhe, die man hat, die Zahl der Photonen ansteigt.
Er hat Wasserflöhe gezüchtet, die völlig gleichartig waren, die waren alle Weibchen, gleiche Länge, jedes hatte die gleiche Lichtintensität gehabt, man erwartet einfach einen linearen Anstieg. Und in Wirklichkeit hat er deutlich Überproportionales gemessen, solche Organisationsstrukturen. Das sind die Strukturen, nach denen sich Wasserflöhe organisieren, das ist also das Bewusstsein, das Organisationsbewusstsein, die Entfaltung des Bewusstseins in einer Population, in der aus den Interferenzen der Wellen (die Wellen sind nur deshalb interferenzfähig, weil sie kohärent sind) heraus die Information entzogen wird:
Wie müssen wir uns organisieren, um als Gesamtpopulation ein ideales Bewusstsein für das Gesamtsystem zu entwickeln? Nur so geht das auf, und interessant ist, dass an dieser Stelle, wenn die Lichtintensität am geringsten ist, gleichzeitig die Abstände eingenommen werden, die sie auch in freier Natureinnehmen.
Hier haben sie den Abstand erreicht, den sie in jedem Tümpel oder Teich einnehmen. Sie können sich also aufgrund dieser Möglichkeiten, die sie entwickeln, über ihre elektromagnetischen Felder die Realität bestimmen, so dass also das Bewusstsein einmal in der Transformation der Realität in die Welt der Möglichkeiten besteht und andererseits aus der Welt der Möglichkeiten Realitäten erzeugt werden. Das ist ein Wechselwirkungsprozess, der beide Seiten in sich birgt und der uns die Möglichkeit gibt uns zu entfalten und zu organisieren, unsere biologische Struktur danach aufzubauen.
Und wenn ich heute danach gefragt würde, wie sieht ein solches Bewusstsein aus, dann würde ich sagen, notwendig ist eigentlich nur, dass eine Wechselwirkung stattfindet über Bosonen, weil sich Photonen besonders anbieten, es können eigentlich nur Bosonen sein. Diese Bosonen müssen kohärent sein, das Feld muss kohärent sein, das Maß für die Kohärenz ist gleichzeitig ein Maß für die Fähigkeit dieses Bewusstseins, aber nicht nur die Kohärenz, sondern auch das Spektrum, das Spektrum muss wirklich ausgewählt sein, damit man auch die Informationen quantitiv optimiert. Je weiter das Spektrum reicht, desto höher entfaltet sich das Bewusstsein und es ist auch tatsächlich so, wenn Sie einzelne Zellen betrachten, dann ist das Spektrum dieser Zellen noch relativ begrenzt.
Wenn Sie aber Zellpopulationen nehmen, z.B. Menschen, dann ist das Spektrum dieser Biophotonen, wenn ich das mal so ausdrücken kann, außerordentlich weit, das geht auch in den Bereich, in dem Herr Haffelder arbeitet. Bis in den Bereich der Gehirnwellen, wo Sie Frequenzen haben, die einen Tag-Nacht-Rhythmus haben, oder noch länger. D.h., diese Rhythmik, die wir erfahren, sind alle letztlich Signale dieses Bewusstseins, dass sich aus diesen potentiellenInformationen seine Aktivität, seine Fähigkeit zur Existenz sichert. Und wenn ich das nochmal evolutiv betrachten darf, dann würde ich sagen, wenn Sie von den Elementarteilchen ausgehen, dann kann sich bis zu Feststoffen, bis zu Festkörpern, mit Sicherheitkein Bewusstsein entwickelt haben, schon deswegen, weil sich diese Systeme nicht von innen heraus strukturieren können. Es ist also nicht möglich, dass sie irgendwelche Energie aufnehmen und irgendeine Formation bekommen. Das sind abgeschlossene Systeme, da kann sich allein wegen des zweiten Hauptsatzes der Wärmelehre eine Formation, eine Struktur, ein Bewusstsein nicht entfalten.
Aber von der Zelle an beginnt die Möglichkeit, das Bewusstsein immer weiter zu entfalten, immer größere Bereiche einzubeziehen. Und erst beim Menschen beginnt in gewisser Weise ein Quantensprung, den wir bei Tieren nicht kennen, nämlich die Fähigkeit, aktuelle und potentielle Information an sich selbst zu erleben. Sich selbst sowohl als Objekt als auch Subjekt zu empfinden. Das haben Tiere nicht. Ich würde sagen, das ist der Punkt des Descartes, weil von der Stelle an, da wird das System sich seiner selbst bewusst. Da entsteht die Fähigkeit durch die Kopplung oder mehr oder weniger durch die Ununterscheidbarkeit von Realität und Potentialität sich seiner selbst bewusst zu werden. Auch überhaupt erst darüber nachzudenken.
Descartes,ich bin, also ich zweifle, weil ich bin, oder ich bin also, weil ich zweifle, egal in welcher Reihenfolge man das liest. Es ist der Punkt, wo aktuelle und potentielle Information zusammenkommen, wo aus der Möglichkeit die Tatsächlichkeit schließt und wo aus der Tatsächlichkeit die Möglichkeit schließt. Das ist der entscheidende Punkt, an dem eine Art neues Bewusstsein aufgetreten ist, nicht erst bei Descartes.
Ich bin sicher, dass Descartes nicht der Erste war, der das so empfunden hat, aber er hat es in dieser Weise zum Ausdruck gebracht, es ist letztlich der Ursprung einer solchen Entfaltung einesmenschlichen Bewusstseins. Und wenn Sie hier mal die Möglichkeiten der Kopplung zwischen aktueller und potentieller Information der Reihe nach betrachten, ganz elementar, kommen Sie zu Elementarstrukturen, die das Bewusstsein entfalten kann. Da ist zunächst der Punkt des Descartes, ich bin, also zweifle ich, — diese Kopplung zwischen Tatsächlichkeit und Möglichkeit. Es ist in gewisser Weise die Entfaltung des Selbstbewusstseins, die beim Menschen in deutlicher Form hervortritt. Und das hat übrigens nichts mit der DNA zu tun. Wenn jetzt jemand kommt und sagt, weil der Mensch jetzt am meisten DNA hat, das stimmt nicht, der Mensch hat nicht mehr DNA als ein Regenwurm. Es gibt Systeme, Krokodile z.B. oder Dinophlakelaten, die haben wesentlich mehr DNA als der Mensch. Es ist also nicht eine Frage der Menge, es ist eine Frage der Organisation, der Organisation dieser Teile.
Und dann der zweite elementare Schritt, wenn man sich selbst erkennen kann, dann ist es oft viel leichter, andere zu erkennen, das weiß jeder, oder die Umgebung zu erkennen. Das ist das Bewusstsein oder die Wahrnehmung einer äußeren Umgebung. Und diese Reflexion, Möglichkeit, Tatsächlichkeit, die führt natürlich auch in die Möglichkeit oder in die Vorhersagemöglichkeit. Wenn ich 100 Tage jeden Tag die Sonne aufgehen sehe, dann kann ich aus meiner Möglichkeit schließen, am 101. Tag wird es genauso sein. Das ist übrigens die Aufgabe des Wissenschaftlers, der einfach Vorhersagen trifft aufgrund seiner Erfahrungen, die er vorher gemacht hat. Und er geht davon aus, wenn es oft genauso passiert, dass es beim nächsten Mal genauso passiert, obwohl das kein Beweis ist. Das muss ich dazu sagen, es gibt wissenschaftlich nicht den geringsten Beweis für die Richtigkeit der Schrödinger-Gleichungen oder der Schwerkraftgesetze. Aber solange man keinen Widerspruch findet, hat man das akzeptiert. Aber das ist letztlich die Entwicklung eines wissenschaftlichen Bewusstseins, das aber außerordentlich primitiv ist, muss ich sagen. Denn das Bewusstsein hat noch mehr Möglichkeiten als Tatsächlichkeiten zu rekapitulieren, denn das Bewusstsein hat auch die Möglichkeit, über die Tatsächlichkeiten hinaus zu denken.
Erst da beginnt der eigentliche kreative Prozess des Bewusstseins.
Erst von dieser Stelle an werden wir evolutionsfähig. Wenn wir immer nur Tatsächlichkeiten registrieren, vorhersagen, haben wir keine Möglichkeit, das Bewusstsein weiterzuentwickeln.
Vorwiegend der Mensch zeichnet sich eben dadurch aus, dass er sich von den Realitäten im Bewusstsein entfernen kann, dass er sein Möglichkeitsfeld über das Tatsächlichkeitsfeld erheben kann, dass er sich Dinge ausdenkt, die nicht realistisch sind. Und aus diesen Möglichkeiten, die er sich ersinnt, baut er eine neue Welt der Realität auf, dadurch bekommt der Mensch erst überhaupt seine Evolutionsfähigkeit.
Nicht eben dadurch, dass er der Stärkste ist, dass er sich gegen alle behaupten kann, das kann er leider zusätzlich auch, sondern vorwiegend durch die Möglichkeit, sich in sein Bewusstsein wieder zu begeben, das weiter reicht als das Feld der Realität. Und er ist auch nicht nur in der Lage, sondern auch gezwungen, das zu tun. Denn diese Dinge ergeben sich letztlich aus den Kopplungen selbst, zunächst sind die Kopplungen da und wenn Kopplungen da sind, dann werden die auch genutzt. Um wieder auf das ursprüngliche Beispiel zurückzukommen. Wenn die beiden Elektronen der beiden Atome die Möglichkeit haben, sich auszutauschen, diese intelligente Fähigkeit haben, ihre Plätze ständig zu vertauschen, dann machen sie das auch. Es ist also nicht so, dass sie das nicht machen, weil wir sagen, die können gar nicht so intelligent sein. Sondern sie machen es. Alles, was möglich ist, wird in der Natur auch tatsächlich realisiert. Das Bewusstsein entfaltet sich von selbst, glücklicherweise auch in die Bienen hinein, die dadurch ausgezeichnet sind, dass für sie die Welt der Möglichkeiten umfassender ist als die Welt der Tatsächlichkeiten.
Das ist unser eigentliches Potential und darauf sollten wir uns auch immer besinnen. Ich danke Ihnen.
Über diesen Beitrag
Sie lesen gerade
““Bewusstsein als Entwicklungsprozess” von Prof. Fritz-Albert Popp,”
ein Beitrag auf well…come 21
- Veröffentlicht:
- 6:03 PM / 6:03 PM
- Kategorie:
- Vorträge des Zusammentreffen I
