Evolution


»Die Herren Generäle und Schwerindustriellen hatten ganz recht: es war nichts los mir uns Geistigen, wir waren eine entbehrliche, wirklichkeitsfremde, verantwortungslose Gesellschaft von geist­reichen Schwätzern. Pfui Teufel! Rasiermesser!«
H. Hesse: Der Steppenwolf, 1927

Krieg ist die Freiheit, die jenes Land für seinen unglaublichen ­Ressourcen-Verbrauch beansprucht. Doch wie sieht die Alternative aus? Allen bisherigen Bewegungen des 20. Jahrhunderts mangelte­ es an einer geeigneten, haltbaren, integralen Alternative, wie Kommunismus, Flower-Power, Drogen oder der Rückzug ins Private deutlich gemacht haben. Russell spricht von Liebe, meint inneren und äußeren Frieden; doch was heißt das? Wie übersetzt man dies für Organisationen und Gesellschaften? Wie überträgt man dies in die Ökonomie? Und wie berücksichtigt dies unsere persönlichen Bedürfnisse und Konflikte?

Hierzu zeichnen sich Antworten ab. Die quantischen Phänomene, als Funktionsprinzip der Wirklichkeit, bieten eine ausgefeilte Definition der Grundgesetze des Friedens. Und zwar eine sehr realistische Definition, die Frieden gewährt, aber nicht von einer konfliktfreien Welt oder Beziehung ausgeht. Konfliktfreiheit ist wirklichkeitsfern (= vom Funktionsprinzip der Wirklichkeit weit entfernt), und wie jedes Ideal eine ablenkende Utopie.

Der Blick auf die Phänomene als Ausdruck eines friedlichen Zustandes, einer komplexen Harmonie, eines Aus­gleichs der Dinge in natürlichen Systemen wie Materie und Leben, lässt zwei Schlüsse zu, die Hoffnung machen:

1) Friedliche Systeme sind ungemein funktionaler. Eine quantische Ökonomie ist durch durch Selbstorganisation jeder her­kömmlichen Ökonomie überlegen.

2) Krieg ist ein nicht-natürliches, künstliches Konstrukt unserer noch immer mechanistischen Kultur und nicht Ausdruck eines Naturgesetzes, wie manche meinen. Krieg ist kein Prinzip der Natur — ganz im Gegenteil. Konflikte, Kämpfe natürlich schon, doch gibt es innerhalb des Lebens dem Krieg nichts Vergleichbares. Krieg ist die Haltung, wie der Mensch mit dem Anderen umgeht, sei es mit der Umwelt, anderen Kulturen — ein globaler Krieg um Märkte, Macht und Ressourcen, den wir still genehmigen, weil wir davon profitieren. Doch uns geht es deshalb nicht besser, weil der häss­liche Ausgangspunkt bei uns selbst verankert ist: wir fühlen keine Einheit, auch nicht mit unserem Körper, wir genügen nie, eine Psy­chologie der Angst, die wir zudem ex­portieren. Was wir für vernünftig, für funktionell halten, ist nur oberflächlich; wenn wir genau hinschauen, können wir zu einer ungemein funktionaleren Vernunft gelangen.

Als ausführliche Erläuterung verweise ich auf die Projekt­vorstellung beim World Congress 2003 der ›International Assoziation of ­Educators for World Peace‹ (ZUSAMMENTREFFEN VI)

Wer es praktischer möchte: Die Zusammenfassung der Regeln für eine gute Sexualität und Beziehung durch den Flow-Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt erstaunlich gut auch Selbstorganisation & Synchronisation und seine Folgen:

1. In jedem Moment wissen beide Partner, was als nächstes zu tun ist.
2. Man erhält unmittelbares Feedback für das, was man gerade tut.
3. Das gemeinsam gesetzte Ziel und die Möglichkeiten, dieses zu
erreichen, befinden sich im Gleichgewicht.
4. Handeln und Bewusstsein bilden eine Einheit.
5. Ablenkungen werden vom Bewusstsein ausgeschlossen.
6. Man ist frei von Sorgen und Ängsten.
7. Selbstvergessenheit stellt sich ein, das Zeit- und das Raumgefühl werden aufgehoben.
Die »Partner« könnten meines Erachtens auch Elementarteilchen, Zellen oder Organisationseinheiten sein.

Die physikalischen Gesetze gelten nicht nur für tote Materie, sondern auch für das Leben und im besonderen Maße für das Bewusstsein. Wir haben daher nicht nur die Möglich­keit, individuell die Qualität unseres Lebens zu bestimmen (oder eben nicht), sondern kollektiv ist Liebe die Bestimmung des Menschen, das letzte Ziel. Klingt naiv, doch aus ökonomischen Gründen ist es ratsam eine quantische Gesellschaft zu organisieren und dafür Grundlagen zu schaffen. Dies ist der naheliegende evolutive Schritt des Bewusstseins im 21. Jahrhundert. Komplexität hält Einzug.

»Unser Glasperlenspiel aber vereinigt in sich alle drei Prinzipien: Wissenschaft, Verehrung des Schönen und Meditation, und so sollte ein rechter Glasperlenspieler von Heiterkeit durchströmt sein wie ei­ne reife Frucht von ihrem süßen Saft, die ja nichts anderes ist als Tapferkeit, als ein heitres, lächelndes Schreiten und Tanzen mitten durch die Schrecken und Flammen der Welt, festliches Darbringen eines Opfers. […] Aufgabe und Schwierigkeit, nämlich in Worten aus­zudrücken, was sich doch den Worten stets entzieht, rational machen, was offenbar außer-rational ist […] Was diesen Erlebnis­sen ihre Wucht und Überzeugungs­kraft gibt, ist nicht ihr Gehalt an Wahrheit, ihre hohe Herkunft, ihre Göttlichkeit oder dergleichen, sondern ihre Wirklichkeit.« H. Hesse

Der Umstand, dass es keine gerechte Welt bisher gibt, dass bisherige Versuche scheiterten, ist keineswegs ein Grund, Frieden und Liebe als Utopien zu bezeichnen. Diese Versuche waren notwendige Etappen bei der Entwicklung unseres Bewusstseins und waren alle sehr ergebnisreich. Auf jeden Fall wird man das 21. Jahrhundert im Rückspiegel nicht erblicken können. Vielmehr ist es bei hoher Geschwindigkeit sogar selbstmörderisch sich auf diese Weise zu orientieren.

Die Quintessenz der quantischen Phänomene ist die Lie­be, und alle Erkenntnis über den Körper und das Bewusstsein weist auf eine Struktur und Verbindung hin, die mit ›Liebe‹ gut umschrieben ist. Zellen, die aufhören zu lieben, sich verbunden zu fühlen, nennt man Krebszellen. Und das Geheimnis der Liebe ist nicht das Finden des ›richtigen‹ Liebesobjektes, sondern die Liebe in seiner Bewusstheit, in sich selbst zu erwecken.

Die Ich-Psychologie des 20. Jahrhunderts ist gescheitert und wird einer Psychologie, die den Anderen benötigt, à la Lacan, weichen.

»Das Königreich Gottes ist in Dir«, Jesus Prophezeihung, bekommt aufgrund der aktuellen Erkenntnisse der Biologie eine neue ­Perspektive.

»— Wofür ist Welt denn da, wenn du sie dir nicht so machen kannst, wie du sie willst.
— Wie ich sie will?
— Genau. Wie du sie willst. Willst du nicht, dass sie ein bisschen mehr ist als in Wirklichkeit?
— Und was soll das? Ich kann sie doch nicht ändern.
— Genau das ist es. Wenn du sie nicht änderst, dann ändert sie dich, und das ist dann deine Schuld, weil du es zulässt. Ich habe es zugelassen. Und mein Leben kaputtgemacht.
— Wie denn kaputtgemacht?
— Es vergessen.
— Vergessen?
— Vergessen, dass es mir gehört. Mein Leben. Ich bin einfach nur die Straßen rauf- und runtergelaufen und hab mir gewünscht, jemand anders zu sein.«
Toni Morisson, Jazz


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