Psyche




Vorbemerkung — Unser psychologisches Programm, unsere Grundannahmen stoßen nach 2500 Jahren auf Grenzen. Die grundlegenden Aussagen der Quantentheorie lösen ein gedankliches Modell ab, das z.B. für Europa seit der Antike sein Muster entfaltet und entwickelt.
Wenn wir über die Psyche reden, reden wir immer über Geschichte. In unserem eigenem Leben wirkt die eigene, erlebte Geschichte, jedes Detail der eigenen, überwiegend unbewussten, Erfahrungen, die wir machen. Unbewusst meint hier ›nicht bewusst reflektiert‹. Diese unseren Erfahrungen wiederum sind massiv durch die sozio-kulturellen Umstände geprägt, die Ergebnis von Geschichte | Vergangenheit sind. So kommt es, dass die Lebensumstände vor unserer Geburt für unsere kollektiven Vorstellungen von der Welt entscheidend sind, — vermittelt über die eigene Familie, aber auch Architektur, Filme, Literatur, überhaupt alle aufgezeichneten Medien, besonders aber über das Körperbild und die Sprache. Mindestens 60-80 Jahre vor unserer Geburt reicht diese uns persönlich vermittelte Erfahrung. Über unseren Genom reicht unsere Geschichte sogar bis zum Anbeginn des Lebens. Die gesamte Geschichte des Lebens bis zum Einzeller scheint sich im menschlichen Genom abzubilden.
Unsere Geschichte unseres bewussten Bewusstseins ist so jung, wie die Geschichte des bewussten Unbewussten. Nur ein Wimpernschlag der Geschichte von 100 Jahren. Die neurobiologische Bestätigung des Unbewussten erts in den 90ern lässt heute erst zu, dass das Ausmaß und die Bedeutung unseres inneren Strickmusters zu erkennen ist. Was ist die Grundlage unserer Wahrnehmung? Was nehmen wir als wahr an? Es ist DIE Frage. Ist dir bewusst, was du als wahr annimmst? Den nach diesen Grundlagen entscheiden wir unsere meist unbewussten Entscheidungen und richten unsere Wahrnehmungsfilter aus.
Wenn man die Geschichte der Menschen quantisch betrachtet, sieht man die Geschichte als eine Geschichte des Bewusstseins, das sich in einem permanenten Prozess der Einbindung wiederfindet. Zudem ist nun naturwissenschaftlich nachvollziehbar, dass es neben dem persönlichen (Un-)Bewusstein auch ein kollektives (Un-)Bewusstsein geben kann, — und sie NICHT identisch sind, obwohl sie in Verbindung stehen.
Eigentlich nähern sich freie Potentiale, egal welchen Zustandes, dem Zustand der Phänomene immer mehr an. Alle freie Energie nähert sich dem Zustand der Wirklichkeit beständig, wenn man sie lässt, solange sie eben frei ist. Wir haben aber ein Bewusstsein und somit irgendwann eine Kultur etc. und können die Selbstorganisation erheblich stören. Wir können uns Grundlagen geben, die uns konträr zu unserer Intuition entscheiden lassen. Wir können machen was wir wollen, aber die Entwicklung und Bewegung des Kollektiven folgt seinem unvermeidlichen Drang zur Wirklichkeit, — selbst wenn wir uns auf diesem Weg um die Wette traumatisieren. Daher verläuft die Entwicklung von größeren Gesellschaften und des damit einhergehenden Bewusstseins in einer bestimmten historisch-logischen Abfolge. Am Beispiel der Moderne heißt das nicht, dass der weltweite Faschismus zwingend geschehen musste, aber auch in einer Parallelawelt wäre sein Aufkommen nur an einer bestimmten Stelle der Entwicklung|Geschichte logisch, — vermeidbar, aber logisch. Z.B. 100 Jahre nach der Industrialisierung und dem Aufpäppeln des Geniebegriffs, einem Zeitgeist der Anbetung des Ego, des genialen vollbewussten Individuums etc.pp.
Ein quantisches Geschichtsmodell sieht das kollektive Unbewusste bewusster werden, was jedoch schmerzhaft sein kann, in einer wirklichkeitsscheuen, unbewussten Kultur. Es kann sich sogar so konträr gegenüber stehen, dass einige Generationen auf 1000 Arten schier wahnsinnig werden. Dies wäre auszuführen, um es von einem hegelianischen und positivistischen Geschichtsbild abzugrenzen, was jedoch eine eigene Arbeit ist.
Die Quantenphysik ermöglicht die Fernwirkung von Geist naturwissenschaftlich durch korrelierte Photonen zu erklären, für die Raum und Zeit in dem Sinne nicht existiert. Genau diese Folgerung aus der Quantenphysik war für Einstein so unakzeptabel. Genau dieses Ressentiment führte letztlich zur ultimativen Bestätigung der Quantenphysik, — ja, Einstein irrte. Sein EPR-Gedanken-Experiment nahm einen anderen Verlauf als erwartet (siehe Quanten).
Selbstorganisation und komplexe Systeme geben eine theoretische Grundlage für die Beobachtungen der ›Anomalienforschung‹. Eine Anomalie ist eine Tatsache, die mit dem herkömmlichen Erklärungsmodell, also dem cartesianischen (mechanistischen) Weltbild im Widerspruch steht. Eine Anomalie ist der unmittelbare Einfluss des Geistes auf Materie, Pflanzen, Tiere und Menschen. Eine Anomalie ist die Übertragung von Wissen innerhalb der Art ohne jeglichen Kontakt, das laut R. Sheldrake von artspezifischen sogenannten morphogenetischen Feldern herrührt (ein non-lokales Feld) und so ein alternatives Erklärungsmodell für das von C.G. Jung beschriebene kollektive Unbewusste darstellt. Auf einen Blick arbeitet Jung innen und Sheldrake außen, doch ist beides nur vernetzt zu denken.
Jung dazu selbst: »Der Ausdruck ›Archetyp‹ wird oft als bestimmtes mythologisches Bild oder Motiv missverstanden. Aber solche Bilder sind nur bewusste Darstellungen; es wäre absurd, anzunehmen, solche variablen Bilder könnten vererbt werden. Der Archetyp ist vielmehr eine angeborene Tendenz, solche bewussten Motivbilder zu formen — Darstellungen, die im Detail sehr voneinander abweichen können, ohne jedoch ihre Grundstruktur aufzugeben. Meine Kritiker haben fälschlicherweise angenommen, ich meine ›ererbte Vorstellungen‹«. (Der Mensch und seine Symbole, S. 67)
Die moderne Genom-Forschung ist noch in den Kinderschuhen, sodass kein abschließendes Urteil möglich ist, ob das Kollektive vom Genom ausgeht oder in einem äußeren Feld zu suchen ist. Die Erkenntnisse gehen jedoch so weit, dass wir
a) viel weniger Erbinformationen haben als wir annahmen und
b) diese Information zu 80% identisch mit dem Fadenwurm ist.
Die »Software« ist wohl bedeutsamer als die »Hardware«.
Jung ging vom Urzeitlichen im Leben aus, und dass es selbst im zivilisiertesten Menschen ein primitives Selbst gibt, dem eine Teilnahme am Leben verweigert wird. Infolge dieser Verweigerung folgert eine Ablehnung eigener natürlicher Gefühle, was den Menschen immer unzivilisierter macht. »Wir sind zu intellektuellen Barbaren oder technischen Wilden geworden.« (dto., S. 272)
Er sieht die Urbilder (nach Hermes Tresmegistos später Archetypen genannt) als ›innere Erscheinungen‹, ein nach innen gerichteter ›Instinkt‹, die weder bewusste Vorstellungen sind, noch bewusst erworben wurden.
»Ihren Ursprung kennt man nicht; sie tauchen jederzeit auf, überall in der Welt.« (dto., S. 69) Jung bejaht eine ›Geschichte‹ der Archetypen, die »Mythen, Religionen und Philosophien, die ganze Nationen und geschichtliche Epochen charakterisieren.« (dto., S. 79)
Aus heutiger Sicht kann man kollektive Informationsfelder durch die Quantenphysik gut erklären.
»Das bedeutendste Instrument des Menschen, seine Psyche, wird kaum beachtet, oft sogar mit Misstrauen und Verachtung angesehen. … Woher kommt dieses immense Vorurteil? Wir sind offenbar so sehr mit der Frage beschäftigt, was wir selbst denken, dass wir ganz vergessen zu fragen, was die unbewusste Psyche eigentlich über uns denkt. Die Ideen von Sigmund Freud bestätigen für die meisten Leute die bereits bestehende Verachtung der Psyche.
Vorher war sie einfach übersehen worden; heute ist sie ein Abfallhaufen für moralischen Kehricht.« (dto., S. 102 f.)
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ein Beitrag auf well…come 21
- Veröffentlicht:
- 11:25 AM / 11:25 AM
- Kategorie:
- Realität/Bewusstsein
