Kundaliniyoga und klingende Hirnforschung

Eine Live-Visualisierung von Gehirnaktivität durch den Brain-Avatar
Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der HBK Braunschweig vereint Kunst, Wissenschaft und Spiritualität.

Im dunklen Kinoraum der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig hat sich im Kreis eine Yogagruppe versammelt. Das Licht ist gedämpft und nach einer Kriya entspannen viele tief oder meditieren, während der Künstler und Erfinder Martin Schöne, mir die Elektroden seines Brain-Avatars an den Kopf bastelt:
Ein klassisches EEG-Gerät, welches aber die Frequenzen des Gehirns nicht wie üblich visualisiert, sondern als das was sie sind: Schwingungen, Wellen.
Der Brain-Avatar verstärkt über eine Tiefbassbox die, sich meist im unhörbaren Bereich, befindenden Gehirnfrequenzen, welche dann auf eine mit Wasser gefüllte Schale übertragen werden. Die Entscheidung Wasser als Visualisierungsmedium zu wählen beruht auf seiner einzigartigen Fähigkeit Resonanz in Rekordzeit dar zu stellen: in 0,000 000 000 0001 Sekunden. Weiterhin ist unser Gehirn nahezu umgeben von Wasser, dem Liquor.
Im Saal ist es ruhig, die Box brummt in einem Nebenraum und die Yogagruppe, einschließlich mir, blicken nun gebannt auf das Bild des Videobeamers hinter uns. Live kann man beobachten, wie sich meine regen Gehirnaktivitäten als Wellen in der Wasserschale niederschlagen, während ich eine Meditation einleite: 31 Minuten lang meditieren wir mit fast geschlossenen Augen auf das Bij Mantra Sat Nam mit ineinander gelegten Händen zur vollkommenen Neutralisation von Spannungen.
Ohne dass ich die Visualisierung hinter mir wahrnehme, verändern sich mit fortschreitender Meditation, im Klang des Mantras, die Frequenzen meines Gehirns und ordnen sich auf der Wasseroberfläche zu einer konstanten, komplexen mandalaartigen Struktur, während anfänglich wilde und ungeordnete, sich schnell abwechselnde Formen das Bild prägten.

Die Untersuchung der Wirkung von Mantren war Motivation für die Zusammenarbeit gewesen. Abwechselnd unterrichteten Atma Singh (Florian Harazim) freier Künstler und Yogalehrer und ich (angehende Künstlerin und Yogalehrerin) einen Kurs bei dem die sogenannten Keimsilben, wie Sa Ta Na Ma oder Ong, oder eben das klare Bij (Same, Keim) Mantra Sat Nam im Vordergrund standen.
Der Brain-Avatar selbst wurde von Martin Schöne im Rahmen des seit Oktober 2001 laufenden Forschungsprojektes „Well….come 21 - Realität und Bewusstsein im 21. Jahrhundert“ entwickelt. Interdisziplinäre Treffen von Künstlern und Wissenschaftlern lieferten eine gemeinsame theoretische Basis aus Quantenphysik, Biologie, Gehirnforschung, Psychologie und Philosophie für integrative Erkenntnissuche.

Nach 31 Minuten Meditation hole ich mich selbst etwas ruckartig in den „Normalzustand“ zurück. Schlagartig ändert sich das Wellenbild, um jedoch nach kurzer Zeit der stillen Glätte eines klaren Teiches zu weichen, dessen Oberfläche manchmal nur leicht erschüttert wird von feinem Zittern. Ich fühle mich tief entspannt und friedvoll. Von Martin erfahren wir, dass man einen solch entspannten, klaren Zustand von Gehirnaktivität meist nicht mal im Schlaf erfährt. Die Meditation zur vollständigen Neutralisation von Spannungen hat ihre Wirkung voll entfaltet.
Während die anderen sich unterhalten entdecke ich eine weitere Möglichkeit und Dimension des Brain-Avatars: der Betrachter ist gleichzeitig Künstler. Da er mir durch die Live–Visualisierung ein direktes Feedback über meine momentane Gehirnaktivität gibt, beobachte sie und nehme schließlich Einfluss darauf. Bewusst wechsle ich zwischen Wellengang, bis hin zu regem Wasserspritzen, wenn ich z.B. lache und dem absolut tief entspannten Zustand nach der Meditation, das Bild auf der Wasseroberfläche gibt mir sofort ein Feedback. Ein Lerneffekt, welchen die Medizin z.B. wirksam bei ADS-Kindern einsetzt, mittels EEG Messungen erschließt man ihnen einen blinden Fleck und befähigt sie zur Selbstbestimmung.

Auf dem diesjährigen Yogafestival gibt es die Gelegenheit mehr über das Projekt zu erfahren, Martin Schöne wird vor Ort Messungen machen.
Weitere Informationen/Kontakt unter
www.wellcome21.de,
brain-avatar.de,
schoene@hbk-bs.de.

Sabine Ram Das Kaur Hauptmanns
Braunschweig 9.Mai 2006
Erschienen in der in der Yoga-Zeitung der 3HO.

Fotoserie Mantra


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