Forschungsprojekt Well…come 21: Einführung zur 2. Auflage von Martin Schöne


Es geht eigentlich nicht um Worte. Es geht um Grenzräume. Die Worte sind nur der Widerhall dieser verborgenen Räume, die offen vor einem liegen. Da die Grenze überall verläuft, sind diese Räume riesen­groß, zu groß, um sie zu überblicken. Mir scheint eine ­Generation dafür kaum ausreichend, um diese vielen Möglichkeiten in allen (!) Disziplinen zu erschließen. Es benötigt eher ein Jahrhundert. Die ganze Thematik »Quanten, Bewusstsein und Ströme« (so der erste Artikel zum Projekt, Januar 2002 S. 33) hat seit 2001 sehr viel Aufmerksamkeit erhalten, und die Neurobiologen wurden gar zu gefeierten Popstars.
Das hier beschriebene quantische Bewusstsein — mir scheint die Dinge wachsen darauf zu. Viele dahingehende, recht gewagte ­Ausgangs-Thesen des Projektes ranken sich um folgende Fragen: Wirkt Geist auf Materie? Ist unser Geist ein Sender? Wie verändert Geist unsere Welt? Erschafft Bewusstsein Realität? Ist Bewusstsein die Kunst des Lebens? Ist die Realität Zufall? (Wie) Steuert das Bewusstsein den Zufall? (Wie) Sind wir verbunden mit externen Informationsfeldern?

Die projektspezifischen Phänomene sind aus eigenen Überlegungen zu den Quanten-Experimenten erwachsen, teilweise schon in den 80ern, — und waren dann Ausgangspunkt unserer ersten Tagung. Unsere Grundlage war die Quantenphysik, die auf C. F. von ­Weizsäcker zurückgeht und sich heute in technischen An­wendungen bestätigt. ­Fortgeführt und vorgetragen von seinem brillanten geistigen Nachfolger Prof. Thomas Görnitz (S. 159).

Dies ist die Neuauflage der Projekt-Dokumentation aus dem Jahre 2003, die nun in seinem ursprünglich geplanten Layout & Inhalt umgesetzt wurde. Es finden sich Ausgangspunkte, Hintergründe, naturwissenschaftliche Schlüssel-Vorträge, aber auch die Motive. Ich würde heute einen etwas anderen Stil wählen, aber es erschien uns wichtiger, die gedankliche Basis unverändert darzustellen, — und zwar aus gutem Grund:
Ziel der ersten drei Semester war es mit der Naturwissenschaft einen inhaltlichen Ausgangs- und Orientierungspunkt zu ­schaffen, — ­dessen stärkster Extrakt die quantischen Phänomene dar­stellen (S. 17.), — um diese in der Praxis zur Forschung zu ­nutzen. Stufe II des Projektes (2003-2006) hieß lediglich: do it! Die ­zentrale These: Bei konsequenter Anwendung der Phänomene bei allen ­Ent­scheidungen, kommt man zur Form, — um aus der Form ­wiederum Phänomene ableiten zu können über den ­Forschungsgegenstand. Ein Zyklus, der Wissenschaft und Kunst auf das Innigste ver­binden würde.

Ein ganz anderes Niveau gemeinsamer Forschung wäre denkbar. ­Leider waren sich in diesem Punkt Kunst und Wissenschaft völlig einig: Ja, wie soll das denn gehen? Was soll das denn praktisch ­heißen, bitte? Ich konnte natürlich selbst nicht weiter sehen als der nächste Schritt, aber ich kann aus heutiger Sicht behaupten, dass die These voll bestätigt wurde. Der Forschungsgegenstand war das Bewusstsein, und die Phänomene führten mich tatsächlich 2004 zu (s)einer schlüssigen Form. Das neuartige Visualisierungs­verfahren »Brain-Avatar« nutzt Gehirnwellen als das, was sie sind: Frequenzen, also Sounds, die sich als Resonanz in Wasser und Licht live beobachten lassen, — und erstaunlicherweise mentale Zustände gut ausdrücken können. Dies wäre natürlich kaum erstaunlich, wenn sich herausstellen würde, dass »Resonanz in Wasser und Licht« die Basis unserer Neurobiologie darstellt.

Die Bewusstseins-Blase des Schaubilds war ein verblüffender Vorgriff auf das Aussehen des ersten Avatars. Zum Vergleich habe ich ausnahmsweise ein Foto aus 2004 hinzugefügt (S. 3). Ich hatte also, — ohne es zu wissen — das Ergebnis einer sehr aufwendig v­erschlungenen Suche die ganze Zeit vor Augen. Dies ist ­besonders interessant, da es quasi Sinnbild einer der Kerngedanken des ­Projektes ist: Entscheidend sind die Grundlagen der eigenen Wahr­nehmung, die viel stärker unsere Realität prägen, als uns lieb ist. Wir sind nicht in der Lage etwas objektiv zu beobachten. Information gibt es für uns nur in seiner verpackten Form, da wir allem un­bewusst eine bestimmte Bedeutung zuschreiben (gut, schlecht, schön, sinnlos etc.). Ohne einen passenden geistigen Rahmen ­können wir nicht sehen, was wir sehen. Entsprechend zielt das ­Projekt auch auf ein verändertes Selbstverständnis der Kunst, die nicht nur als ­Seismograph Entwicklungen darstellt, sondern tätig eingreift. Kunst kann immer nur das sein, als was sie gesehen wird. Ein veränderter, leicht irritierter Blick auf die Arbeiten kann daher auch vorteilhaft sein.
In der jetzigen Stufe III: connect it! (ab 2007), die den Zyklus schließen würde, geht es nun darum aus der gewonnenen Form einige neurobiologische Phänomene ableiten zu können. Sofern dies gelingt kann man das methodische Vorgehen als bestätigt ansehen. Es werden Muster aus verschiedensten Zusammenhängen verglichen und zugeordnet, um integrale Muster zu finden. Da dies überwiegend auf der Basis von Sound geschieht, betreut das Projekt seit 2007 Prof. Ulrich Eller (Klangkunst).

Zum Schaubild (Innenseite Cover)

Die von Kommunikation umkränzte zentrale Blase illustriert einen Hohlraum-Resonator. Seit dem denkwürdigen Vortrag von Prof. Popp (S. 99) wissen wir: Ohne einen Hohlraum und Resonanz kann kein Bewusstsein entstehen. Sie könnten z.B. diese Bewusstseins-Blase sein, umgeben von anderen individuellen und kollektiven Resonatoren. Die Spirale symbolisiert die alles durchziehenden Phänomene. Schließlich lassen sich die zentralen Begriffe unserer Entwicklung in das Bild einordnen und gruppieren.

Das Projekt begann 2001 mit dem Materiebegriff, der sich bald als etwas Geistiges herausstellte. Prof. Görnitz formulierte: Materie und Information sind äquivalent — was revolutionär die Tür öffnet zur Geisteswissenschaft. Aus diesem Hintergrund heraus ­entstehen ­Elementarteilchen, Materie, Körper und somit die ­äußeren ­Grund­lagen unserer Realität. Man muss nicht besonders tief in die Geistes­geschichte einsteigen, um festzustellen, dass DIE Realität für uns nicht existiert, sondern maßgeblich ein Konstrukt unseres Bewusstseins ist. Realität und Bewusstsein bilden ein oszillierendes ­Ganzes.

In unserem Schaubild verlassen wir damit unseren persönlichen Hohlraum-Resonator und erreichen die Schwelle der Kommunikation, die uns auf vielfältigste Weise mit dem Außen verbindet. Bewusstsein ist ohne den Anderen nicht vorstellbar, wie schon Hegel ­feststellte. Wir treffen also auf andere Hohlraum-Resonatoren und unser Staunen über die Welt verbindet uns mit den Anderen, — und lässt Spiritualität und schließlich Kultur erwachsen. Die sich ­später entwickelnde wissenschaftliche Forschung folgt dem l­eitenden Ordnungs­prinzip der Trennung der Dinge und atomisiert die Lebenswelt, — zunächst.

Am Ende unserer jetzigen Entwicklung sehe ich, dass uns unser Bewusstsein bewusst wird, was zur Änderung der Strukturen und zum ­komplexen Denken führt. Hierfür wurden und werden im ­Projekt ZUSAMMENTREFFEN organisiert. Vor kurzem ging das ­aufwendigste und problematischste ZUSAMMENTREFFEN XII über die Bühne: die »Global-Brain-Sounds« in sechs Ländern auf vier Kontinenten.

Martin Schöne, Januar 2008
Informationen zum Projekt ab 2004: www.wellcome21.de
Audiovorträge: www.quanten.info


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